Dinge, die gut sind

Donnerstag, 11. November 2010

Rasant abschmelzende Bestände

Im Mai nahm Herr Pathologe zurecht verzweifelt an, dass er noch 6 Monate auf seine Marmelade warten müsse. Das war verdammt gut geschätzt. Denn dieses Jahr war ein Schlimmes. Ich legte mich mit dem Tod an und verlor. Ich verlor sogar mich selbst für eine Zeit. Und trotzdem hatte dieses Jahr seine Konstanten. Alle 126 Tage kochte ich Marmelade. In etwa. Ich erhörte schreiende Äpfel und Pflaumen und verarbeitete sie in ihrem Sinn.

Anfang September lauschte ich dem Flehen des Holunders und pflückte auch ihn. "Kann man die essen?", fragt mich ein etwa 14-jähriges Mädchen ungläubig, als es mich am Rhein die Dolden eines Holunderstrauchs abziehen sieht. "Klar, wenn du sie lange genug kochst, ist es das Beste, was du je gegessen hast.", antworte ich. Sie lächelt gnädig-beruhigend zurück, so, als hätte ich Drogen genommen und um alles zu vermeiden, was mich unnötig aufregen könnte. Dann steigt sie wortlos wieder auf ihr Fahrrad und radelt weiter. In diesem Moment hasse ich den Gedanken, dass die Früchte der meisten Holundersträuche ungenutzt verdorren und Kinder nur noch diesen pürierten, überzuckerten Convenience-Smoothie-Dreck aus Gläsern als Marmelade wahrnehmen. Wenn sie nicht gleich zum Frühstück alternativ mit einer fetten Kinder-Milchschnitte die Höchststrafe bekommen.

Dabei ist Marmeladekochen so simpel. Selbst bei waghalsigsten Experimenten kommt allermeistens etwas Essbares Wundervolles heraus. OK, die Apfel/Zimt/Marzipan/Amaretto-Marmelade mit eingetropftem Bittermandelöl und frischen Estragonblättern ist jetzt nichts für Leute, die jede Kalorie zählen, aber sowas kriegt man geschmacklich eben auch nicht im Discounterregal. Und Holunder zu verarbeiten ist und bleibt ein Jenseitsgranatenscheißdreck. 8kg Pflaumen zu entsteinen ist außerdem nur etwas für Leute mit hoher Frustrationstoleranzgrenze, quasi-militärischer Disziplin und einem guten Rioja für die Selbstbelohnung zwischendurch.

Aber am Ende steht das Ergebnis. Und das ist wieder so gut geworden, dass die ursprünglich ausgedehnten Bestände bereits wieder rasend schnell abschmelzen. Will sagen: Sie sollten sich diesmal wirklich beeilen, Herr P. ;)

Bestand per 11.11.2010:
  • 10x 8x Holunder/Pflaume/Zimt/Anis/Amaretto
  • 9x 6x Holunder/Pflaume/Amaretto
  • 3x 2x Pflaume/Pfirsich/Banane/Pflaumenschnaps
  • 4x 2x Pflaume/Pfirsich/Banane/Grand Marnier
  • 6x 1x Apfel/Zimt/Marzipan/Estragon/Amaretto
  • 4x 3x Apfel/Zimt/Pfirsich/Rum
  • 3x 2x Apfel/Zimt/Pflaume/Amaretto
  • 4x 1x Erdbeer/Vanille/Grand Marnier
  • 2x 1x Erdbeer/Rharbarber/Orangensaft/Grand Marnier
  • 8x 4x Erdbeer/Rharbarber/Ingwer/Vanille/Vodka
Neon!

Freitag, 5. November 2010

Ars Memoriae MARGIN-Syntax

Nicht, dass ich besonders nerdig wäre. Nicht ansatzweise. Aber dank meiner IT-Wurzeln und einer kontinuierlichen, nie erlahmten Reibung mit allen möglichen IT-Themen, -Tools, -Sprachen und anderem interessanten Gedöns sind auch Joomla, HTML und CSS nun wirklich keine Raketenwissenschaft für mich.

Demzufolge bin ich also durchaus in der Lage, Design-Änderungen an eigenen oder fremden Websites in akzeptabler Zeit und mit begrenztem Aufwand durchzuführen. Jedoch benötige ich meine CSS-Kenntnisse nun auch wieder nicht so häufig, dass ich die Syntax aller Statements immer sofort aus dem Stand wüßte. Besonders ein Befehl zermartert mir stets das Gehirn.

So vergesse ich z.B. regelmäßig die Bedeutung der 4 Parameter des CSS-MARGIN-Befehls. Top, Right, Bottom, Left. Das ist die simple, richtige Reihenfolge für die Abstandsdeklaration. Aber Heilandssack: nach ein paar Wochen ist diese stets wieder in irgendeinem Nirvana meines Schädels verschwunden.

Bis gestern. Nicht, dass mich jetzt die Begrifflichkeiten Top und Bottom dahin gebracht hätten. Aber plötzlich geisterte wieder die Endseptemberjahrtausendliebeerinnerung durch meinen Kopf. Seitdem denke ich auf der Suche nach der richtigen Syntax des MARGIN-Befehls einfach an "The Real Bondage Love". TRBL - IT kann wirklich so einfach sein, wenn man nur richtig mnemonisiert.

Neon!

Dienstag, 7. September 2010

Blutrote Boxershorts

Eigentlich ging's mir an diesem Tag richtig dreckig. Hierbei definiert sich 'dreckig' mit Fieber oberhalb der 39-Grad-Grenze, einem entzündeten Hals in der Dicke von Jabba the Hutt, Augen so verquollen wie Schwarzenegger in Total Recall (kurz bevor der aktivierte Reaktor eine atembare Atmosphäre auf dem Mars herstellt) und verklebten Tuben, deren Inhalt auch gut als megaübler Pattex Montagekleber extrastark hätte verkauft werden können. Der kleine Neon hatte mich also mit irgendeiner letalen Mutation dieses West-Nil-Ebola-Malaria-H1N5-Vogelgrippe-Virus angesteckt und das letzte, das wirklich allerletzte, worauf ich an diesem Wochenende Lust hatte, war, ein Studentenzimmer in Holland in einen wieder bewohnbaren Zustand zu transformieren.

Aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Und so hatte es Linda überraschend geschafft, unseren Wunsch nach einem adäquaten Zimmer mit partieller Bad- und Küchennutzung endlich zu erfüllen. In allerletzer Minute, gerade rechtzeitig zum Studienbeginn, hatte es also mit der neuen Unterkunft geklappt, und es blieb keine Zeit, die Übergabe und den Einzug noch weiter nach hinten zu schieben. So packten wir den guten alten T bis unters Dach: Farben, Pinsel, Rollen, Klebeband, Abdeckplanen, Bett, Schreibtisch und 1000 andere Dinge, die über die Grenze gehen sollten.

Nur die Tüte mit meinen Arbeitsanstreicherrenovierungsjeans und -schuhen blieb leider einsam in unserer Diele stehen - aber das merkte ich erst, als die Verträge in Holland lange unterschrieben waren, wir alleine in der Wohnung standen und der kleine Neon mich erwartungsvoll ansah, was nun wohl als Nächstes passierte. "Ich denk, die Holländer sehen das ganz entspannt: da muss ich improvisieren.", sage ich zum kleinen Neon, ziehe die schwarze, unter keinen Umständen als Malerhose zu missbrauchende Boss-Jeans aus, zupfe die Boxershorts zurecht, und beginne, den 10-Liter-Eimer Farbe anzurühren.

Und ich sollte Recht behalten. Von den 5 auf der Straße vorbeigehenden und erfreut in die 1.Etage blickenden Frauen
  • sahen mir 5 schmunzelnd auf die Boxershorts
  • lachten 3 und zeigten mir einen OK-Daumen
  • pfiffen 2 lautstark und wollten mehr sehen.
Nicht, dass ich mich nachts, endlich zuhause, besonders gut fühlte. Der West-Nil-Ebola-Malaria-H1N5-Vogelgrippe-Virus war erbarmungslos und offensichtlich sehr pikiert und entrüstet über Männer, die in Boxershorts Zimmer streichen. Das ließ er mich deutlich spüren. Trotzdem schlief ich zufrieden ein. Ein ganzes Zimmer blutrot-weiß gestrichen und etwas für die deutsch-holländische Völkerverständigung getan: was kann man mehr erwarten von einem Dengue-Fiebertag in kurzen Boxershorts.

Neon!

Montag, 12. April 2010

Auf die Zunge gebissen

Als dekadenlanger, hingebungsvoller Liebhaber der asiatischen Küche ist es keineswegs einfach, chinesische Restaurants zu finden, die sich mit ihrem Angebot etwas mutiger abseits vom europäisierten Hühnchen-süß-sauer-Mainstream positionieren. Dies gilt umso mehr, wenn als zusätzliche Randbedingung zählt, dass eine genießbare und angemessene Zusammenstellung keinen 3-stelligen Eurobetrag kosten sollte.

Umso schöner ist es, wenn man dann beim Ausprobieren eines Geheimtipps gleich mehrfach und rundherum positiv überrascht wird. So geschehen gestern Abend im China Imbiss TAO an der Collenbachstraße (Nähe Spichernplatz) in Düsseldorf. Neben hervorragenden, hausgemachten Dim Sums gibt es ausgefallene Spezialitäten, eine feine Auswahl kantonesischer Küche und wiederum hausgemachtes Grillfleisch (z.B. Ente am Knochen, Schweinebauch, Spanferkel).

Neben diversen Dim Sums (z.B. gedämpfte Teigtasche mit Garnelenfüllung oder gekochte Maultasche mit Hühnerfleischfüllung) hatten wir einen Teller sehr würzig panierter Entenzungen (komisch, die hatte ich sogar für mich allein) sowie eine Portion hausgegrillter Ente mit Knochen und Reis. Die Entenzungen sind absolut zu empfehlen und schmeckten überraschend intensiv nach dem Federtier, ergänzt durch die sehr pointierte und perfekt gewürzte Panade.

Wer sich mit Dim Sums, Dumplings oder anderen kreativen chinesischen Verzehrvorschlägen noch nicht so gut auskennt, wird durch Inhaber Mikel Lee sehr zuvorkommend, kompetent und sympathisch beraten. Die Atmosphäre ist sehr angenehm - Bistro-Style mit Anspruch, aber nicht überkandidelt. Die Preise sind absolut fair, Dim Sums zwischen €2,90 und €3,50 sowie die Entenzungen für schlappe €5,50 und die Portion Ente für €7,50.

Fazit: Eine tolle lukullische Überraschung mit außergewöhnlichen Angeboten der chinesischen Küche zu einem fairen Preis bei hervorragendem Service. Definitiv hingehen!

P.S. Das überragend gute, selbstgemachte und sehr scharfe Sambal Oelek darf man ruhig mit etwas Sojasauce "verdünnen". Alternativ vorher sicherheitshalber 2 große Pils zum Löschen bestellen.

P.P.S.
- Menükarte für proaktives Auswählen hier
- Second Opinion nachzulesen hier

Neon!

Donnerstag, 11. März 2010

Abnehmen mit Betty Bossis Mississippi Cake

Zerwürfnisse aller Art haben meist veritable Auswirkungen auf die Figur - die einen kompensieren ihren Kummer mit Frustessen und gehen auf wie knuddelwarmer Hefeteig, die anderen versenken durch ihre Grübelei Kilos wie Frau Fräulein Caliente Kameras.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich seit Januar meine alljährliche "No booze. No exceptions."-Phase durchziehe und mithin jeder Art von Alkohol noch bis zum Mai die kühle Schulter zeige. Das macht Spaß aber verursacht zusätzlich schwere Turbulenzen in der täglichen Kalorienbilanz.

Nach dem Verlust von 8kg über wenige Wochen und den ersten Rufen "Mehr Drama, Baby" von Leuten, die mich offensichtlich mit Bruce Darnell verwechselten, wurden also langsam dringliche Gegenmaßnahmen fällig. Ich fackelte nicht lange und griff sofort zur gemeinsten Verführung schlummernder, renitenter Fettzellen: Betty Bossis Mississippi-Cake (Rezept bei Frau Kochtopf). Generell sind Frau Kochtopfs Blogseiten eine gute Idee, wenn man schnell viel zunehmen will. Ich vermute, dass jeder ihrer Kuchen mindestens 3 Mio. Kalorien hat. Und zwar pro abgeschnittener Scheibe. Das war genau das was ich suchte!

In Ermangelung von schweizerischen Branchli verwendete ich eine schnöde (aber brauchbare) Milka Amavel Duo und statt des wassergelösten Kaffeepulvers ordentlich konzentrierten Hardcore-Espresso aus der Jura. Dann ging's zur Sache:


1. Mixen und vorfreuen


2. Einfüllen und mittig belegen


3. Backen, aufschneiden und essen bis der Arzt kommt! Lecker!

Sympathisches Ergebnis: Am Montagmorgen zeigt die Waage plus 0,5 kg. Wäre ich dann abends nicht ins Fitti gegangen und hätte gestern keinen Waldlauf gemacht, ich glaube fast, es hätte von nachhaltigem Erfolg sein können. Wird Zeit, dass es Mai wird. Rot- und Weißwein sind kalorientechnisch einfach nicht zu kompensieren.

Neon!

Freitag, 1. Januar 2010

Quitten brauchen's hart

Aufmerksame Leser und attraktive Hausfrauen, die bei Marmeladenrezepten sofort ein sanftes Zittern ihrer Innenschenkel verspüren, wissen bereits seit längerem, dass mich etwa alle 4 Monate ein unabwendbarer Zwang zum Marmeladekochen befällt. Frühstücksverwahrloste Leser, denen diese Materie befremdlich erscheint, können sich zunächst hier und hier in diese beglückende Form triebhafter Fruchtzuckerabhängigkeit einlesen.

Generell bietet sich die Zeit vor dem Jahreswechsel in besonderem Maße für den kreativen und kunstvollen Prozess des Marmeladenköchelns an, da man während selbigem besonders gut grübeln und über geeignete Vorsätze für die ersten 10 Tage das kommende Jahr nachdenken kann. Im aktuellen Fall liegt der Hauptauslöser für die Marmeladenzwangshandlung allerdings in einer eher unschuldigen Begegnung beim Türken meines Vertrauens; eine Sorte Kernobst, die marmeladentechnisch für mich noch völlig unbefleckt war, weckte sofort meine volle Aufmerksamkeit: Quitten [Proaktive Anmerkung speziell für Herrn Pathologen: Ja, ich weiß, worauf sich das reimt!].

Kurzum, es war also wieder mal so weit. Und es hätte sich alles so einfach entwickeln können, wenn Quitten nicht äußerst widerspenstige Rosengewächse wären. Ohne Dampfkochtopf lässt sich eine Quitte nur sehr zeitaufwendig erweichen, sich mit Anderem zu etwas Besserem zu verbinden. Und so griff ich beherzt gleich zum Allerhärtesten, dem willfährigen gnadenlosen Gehilfen des Amateur-Marmeladenkochs, dem personifizierten Unbarmherzigen der Küchenwelt, einem schnaufenden Sado-WMF-Dampfkochtopf, der den Quitten ohne Umschweife zeigte, wo der Frosch die Locken hat.

Ring 2 und 10 Minuten Volldampf - schon schwenkten die geschälten und geachtelten Quitten die weiße Fahne bevor ihnen der Pürierstab den Rest gab. Übrig blieb die Kür. Aber der Reihe nach:
  • 5 große Quitten (ca. 2 kg) waschen, schälen und entkernen
  • Schalen und Kerngehäuse mit etwa 400ml Wasser parallel ca. 40min kochen
  • Entkernte Quitten achteln und im Schnellkochtopf so mit Wasser auffüllen, dass sie gerade bedeckt sind
  • Schnellkochtopf erhitzen, ab Ring 2 etwa 10 Minuten mit halbierter Hitze kochen (ohne Schnellkochtop ca. 45-50min)
  • Kochtopf abkühlen, öffnen und Inhalt mit Stabmixer gut pürieren
  • Wasser von gekochten Schalen mit Hilfe eines Siebs filtern, auffangen und zu dem pürierten Mus geben. Alternativ kann man davon auch Quittengelee machen; bei mir war die Restmenge allerdings zu gering
  • Saft von 2 Zitronen und 3 (Blut-)Orangen dazugeben
  • Jeweils 1 kg der Masse abwiegen, erhitzen und mit 1 Zimtstange, 1 gestrichenen TL Anis, 2 Nelken und kleingehackten, frischen Ingwer (etwa ein halbdaumengroßes Stück) und 1 Packung Gelierzucker (1:2) aufkochen
  • 4 Minuten sprudelnd kochen, dann Zimtstange/Nelken entfernen, geschmacklich mit 4cl Whiskey oder Negrito Rum abrunden und noch heiß in Gläser abfüllen

Wer's gern scharf mag, kann auch vorher eine gut gehackte Chilischote mitkochen. Ich habe beim 2. Durchgang noch ein paar Feigen gehackt und mitverarbeitet. Geschmacklich nicht uninteressant und genau das richtige für einen frischen (Marmeladen-)Start ins neue Jahr.

Viel Spaß bei Euren Zwangshandlungen und allen ein glückliches, gesundes und erfolgreiches neues Jahr.
Neon!

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Wohligwarmes Hexenhaus

Weihnachten ist ein ganz besonderer Ort. Man findet ihn nicht so einfach. Lange läuft man über vereiste Wege, durch weite, verschneite Felder, vorbei an dunklen, einsamen Gehöften. Direkt zu den Füßen der Kläranlage Düsseldorf-Nord liegen einige kleine, einfache Häuser im Bungalowstil. Vermutlich wohnen dort Familien, die in einem engen Zusammenhang mit der dortigen Klär- und Wasseraufbereitungsanlage stehen. Sicher sind es Mitarbeiter, die von besonderer Wichtigkeit für dieses Unternehmen sind und im Notfall schnell eingreifen müssen, eben weil sie ihr Leben unmittelbar vor den riesigen Faultürmen verbringen.

Einer von ihnen hat seit Jahren ein ganz besonderes Hobby. In jedem Dezember verwandelt er sein kleines Flachdach-Bungalow in eine hell leuchtende Welt wechselnder Neonbilder. Magisch ziehen sie einen an, wenn man alleine über den Schnee durch die Dunkelheit stapft. Abends, im Winter, ist nichts und niemand an diesem einsamen Ort, nur Kälte, ein eisiger, schneidender Wind und einige, vom Wild angefressene Zuckerrüben. Warm scheint das helle Licht schon von weitem durch die eiskalte Atemluft. Niemand, der dort entlangkommt, kann sich diesem Schauspiel entziehen. Der Wind und die Kälte treiben einen voran, immer näher durch die Nacht, zum warmen, flackernden Licht. So müssen sich Hänsel und Gretel gefühlt haben, als sie hungrig auf das Hexenhaus zukamen, denke ich manchmal.

Es ist ein wenig irreal, vielleicht umwelttechnisch inkorrekt, geschmacklich mindestens fragwürdig. Aber dort draußen, in der Kälte und Dunkelheit, ist es ein magischer Ort der Wärme, des Lichts und der Hoffnung. Jedesmal im Dezember, wenn ich an diesem Haus vorbeikomme, habe ich ein Lächeln für dieses kleine, seltsame Bollwerk der wohligwarmen Helligkeit in einsamer, kristallkalter Schwärze. Mein Weihnachten ist ein ganz besonderer Ort. Dort, inmitten der schlafenden Winterfelder.

Neon!

Dienstag, 1. Dezember 2009

Madamfo Ghana

Manchmal gibt es Momente im eigenen Leben, da bekommt man glasklar und völlig unprätentiös aufgezeigt, wie wenig wertschöpfend man ist, wie gering doch die eigenen Anstrengungen im Vergleich zu der mitreißenden, gelebten Begeisterung anderer sind, zu helfen, Leid zu beenden, neue Chancen für vormals Chancenlose zu schaffen und überhaupt - bedrückende Lebensrealitäten anderer Menschen dauerhaft zum Positiven zu verändern.

Da braucht es nur ein kurzes Fernsehinterview mit Bettina Landgrafe, 33, Nebenbei-noch-Studentin und Gründerin des Vereins 'Madamfo Ghana', um einem halb-ahnungslosen Westeuropäer wie mir mit wahrhaft altruistischer Kraft und überzeugender Klarheit gnadenlos in seinen saturierten Schädel zu prügeln, was ein Mensch doch eigentlich bewirken kann, wenn er nur will. Zum Beispiel ein tradiertes System der Kindersklaverei in Ghana abzuschaffen, in dessen tragisches Konstrukt Eltern ihre teils 5-jährigen Kinder für etwa 25 Euro im Jahr an Fischer auf dem Volta-See verkaufen. 4 Uhr morgens raus auf den See zum Fischen, 14 Stunden härteste Arbeit, am späten Nachmittag das erste Essen, tagein, tagaus - für viele Jahre. Spielen, Schule, Ausbildung, oder zumindest Schwimmen lernen - Fehlanzeige. Schläge, Schmerzen, Tod - das Normale. 1x jährlich kommen seine Eltern ins Dorf, erzählt ein Junge, aber nur, um das Sklavengeld zu kassieren. Dann seien sie wieder fort.

Diese Frau hat schon viel erreicht. Medizinische Versorgung, Aufbau von Entbindungsstationen und Kliniken, Wasser, Schulen, eine existentielle Grundversorgung von Leprakranken. Ihre Augen blitzen kraftvoll und haben doch gleichzeitig diese einnehmende, demütige Traurigkeit, die man hat, wenn man angesichts der schmerzenden Alltäglichkeiten viel mehr erreichen können wollte, als die eigene Kraft und verfügbare Ressourcen es tatsächlich zulassen.

Liest sich wie ein brauchbarer Vorschlag für eine kleine Investition? Genau das sollte es sein! Diese mutige Frau und ihr kleines Team haben es verdient, dass man ihr Engagement und ihre Projekte besser unterstützt. Ich werde das im Dezember tun und hoffe, dass auch andere einen Teil ihrer "Weihnachtsinvestitionen" hierhin abzweigen.

Neon!

Dienstag, 24. November 2009

Wochenendpumps

Rätselfrage. Wenn Herr Neon Samstagmorgens Samstagmittags auf dem Weg zum Frühstück die Diele durchschreitet und über diese süßen, aufreizenden, roten Pumps stolpert, bedeutet dies, dass
  1. Herr Mahakala bei Neons zu Besuch ist und noch entspannt in den Federn liegt
  2. Herr Neon die nette Brötchenfrau zum gemeinsamen Frühstück eingeladen hat
  3. die neue Freundin vom kleinen Neon durchaus in der Lage ist, korrekte Schuhentscheidungen zu treffen.
Neon!

Mittwoch, 23. September 2009

Proaktives Kundenerwartungsmanagement

Wenn man sich in einer Welt anspruchsvoller, ungeduldiger und hyperaktiver Kunden bewegt, von denen jeder unbelehrbar überzeugt ist, sein Auftrag seine Problembewältigung sei die Allerwichtigste, ist ein zielorientiertes Erwartungsmanagement im Hinblick auf den nach Lösungen gierenden Kunden unabdingbar.

Hierbei ist größte Sensibilität und zurückhaltendes, vorsichtiges Herantasten an den hypernervösen Erwartungszustand des Kunden extrem wichtig. Klare, überzeugende und für jeden nachvollziehbare Entscheidungskriterien sind hilfreich, damit jeder Kunde zweifelsfrei (und ohne sich zurückgesetzt zu fühlen) versteht, dass er nicht jeden Tag 250% der verfügbaren Arbeitszeit bekommen kann.

Trotz dieser für ihn unbefriedigenden Nachricht muss der Kunde in vollstem Maße überzeugt sein, dass man nur (und ausschließlich) ihm diese 250% furchtbar gerne hätte angedeihen lassen, wenn nicht allgemeine Ressourcenknappheit und die pure Existenz anderer Kunden dieses verhindert hätten.

Lange habe ich über die richtige Methode nachgedacht, die alle oben beschriebenen Parameter in kunstvoller Weise verbindet und den Kunden in seiner Erwartungshaltung mit atemloser Begeisterung zurücklässt erfüllt.

Dann fand ich dieses T-Shirt bei einem Straßenhändler auf dem Broadway. Und mein Problem war perfekt gelöst.

Neon!
Außergewöhnliches
Dinge, die gut sind
Entgleisungen
Gemalte Lebenserfahrung
Musik
Nachtgedanken
Neon-Award
Neon's Must-Have-Tools
Neon's Top10 List
Schöner Bloggen
Today I Learned
Wort des Tages
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
Meine Layouts
Meine bearbeiteten Skins
Hauptseite (Site.page)
Toolbar (Site.foundationToolbar)
Github Neon
Gitlab twoday.net
Font Awesome Cheatsheet v4