Vom Niedergang Twodays — Chronik eines angekündigten Siechtums

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Spätestens seit Twoday-Blogs nicht mehr über die organische Google-Suche auffindbar sind, gibt es eine wachsende Konfusion über die Sinnhaftigkeit des weiteren Bloggens auf dieser Plattform. Denn wenn man nicht gerade ein nettes Befindlichkeitstagebuch für sich selbst führt, will man ja doch irgendwo gelesen werden und durch Leserkommentare in eine lohnende Interaktion gelangen.

Dies allerdings ist ein Anspruch, der auf Twoday kaum mehr zu realisieren ist, denn das weltweite Internet weiß nichts mehr von Twoday und die x-1000 Blogs sind — egal mit welcher Suchwortkombination — faktisch nicht mehr über Google auffindbar. Warum das so ist, soll im folgenden näher erläutert werden. Doch zunächst die notwendige Warnung vor womöglich brachial erschütternden Fakten (sadly no fake news):

"Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren"
Dantes Commedia

Die Suche nach den Gründen für das marginalisierte Google-Listing nimmt bereits groteske Züge an: manche Eigentümer politisch gefärbter Blogs halten tatsächlich die gefühlte Brisanz ihrer eigenen Texte für ursächlich und sich selbst für ein Opfer des durch Google repräsentierten brutalstmöglichen Weltkapitalismus. Blöd nur, dass völlig inhaltsunabhängig gleich alle Twoday-Blogs (=Subdomains) von der politischen Zensur Bestrafung betroffen sind, selbst ganz harmlos daherkommende Koch- und Strickblogs. Das war's dann auch zu dieser These.

Vielleicht hilft im postfaktischen Zeitalter der Blick auf harte, überprüfbare Fakten, dem Lösungsraum für das Google-Desaster etwas näher zu kommen — z.B. eine Grafik über die Entwicklung der organischen Twoday-Webseitenaufrufe vom Januar 2012 bis Januar 2017:

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Quelle: https://feinternational.com/website-penalty-indicator/?url=twoday.net&semdb=de — Daten: https://www.semrush.com

In den letzten 5 Jahren ist der organische Traffic von einem Hoch im April 2012 von 154.298 auf ein all-time-low im Januar 2017 von nur noch 237 gefallen. Dies entspricht einem desaströsen Einbruch der Zugriffszahlen um 99,85% und liegt eindeutig und unzweifelhaft an einer Kette von Google Penalties (Webseiten­bestrafungen), die sich für Twoday auf Basis jeweils neu eingeführter Prüf­algorithmen für Webseiten­qualität ergeben.

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Penguin, Possum, Panda, Pigeon, Hummingbird, Phantom — Google testet und verändert laufend seinen umfassenden Algorithmus zur Bewertung von Webseiten und gibt diesen Updates interessante (Tier-)Namen. Jeder der in der Grafik erkennbaren vertikalen Farbbalken steht für eine der vielen Änderungen des Algorithmus, welcher wiederum über die Quantifizierung zigtausender Rankingfaktoren täglich eine Gesamtwertung für eine Webseite ermittelt. Diese finale Gesamtwertung einer Webseite bestimmt unmittelbar die Position ihrer Anzeige in den Google-Suchergebnissen (SERPs).

Bewertungen kann man grundsätzlich verwerflich finden, jedoch sind diese unzweifelhaft erforderlich, wenn man als Google-Suchender relevante, aktuelle, technisch auf allen Endgeräten gut lesbare, nützliche, unmanipulierte (z.B. durch gekaufte Backlinks) Inhalte sehen möchte. Der Anspruch, "Informationen der Welt zu organisieren und allgemein zugänglich und nützlich zu machen" bedingt, dass die Abermillionen an Quellen auf Basis einer sinnvollen Kriterienmenge in eine Ordnung gebracht werden. Wer will schon Webseiten sehen, die über 10 Jahre nicht verändert wurden und z.B. die Existenz von mobilem Surfen (d.h. verschieden großen Endgeräten) beharrlich ignorieren.

Und so nimmt es nicht wunder, dass alleine die beiden letzten großen Algorithmusänderungen (Mobile-friendly und Phantom im 1.HJ 2015) ein weiteres Armageddon für das Ranking der Twoday.net Seite bedeuteten und in der Folge einen massiven Einbruch des organischen Traffics um knapp 99% auslöste. Bei 237 Google-Besuchern im Monat (!), verteilt auf alle Blogs, Spammer eingerechnet, muss man sich als Twoday-Blogbesitzer wohl keine Gedanken mehr um Reichweite machen. Man bloggt bereits nur für sich und den kuscheligen Kreis der Abonnenten.

Wenn man dann Aussagen wie "Die Sache mit Google liegt leider nicht in unserer Hand" liest, ist das auch nicht sehr zielführend und hat in etwa den Fake-News-Score eines Bowling Green Massakers. Wer anders als der Website-Eigentümer hat denn die alleinige und originäre Kompetenz, eine Webseite entlang der bekannten Kriterien so zu verbessern, zu modernisieren, zu warten, dass sie langsam aber beständig wieder im Google-Ranking steigt (bzw. gar nicht erst sinkt)? Spamfreiheit, Modernität, Aktualität, responsives Layout, technische Compliance etc. fällt leider nicht vom Himmel, sondern muss systematisch erarbeitet werden.

Um das ganz klar zu sagen: selbstverständlich hat vi knallgrau die unternehmerische Freiheit und Kompetenz, das Twoday-Produkt zu terminieren, die Investitionen für eine notwendige Modernisierung abzulehnen und die operative Nutzung der Plattform durch — sagen wir — geriatrische demografische Ereignisse und tragische Todesfälle langsam auszudünnen auslaufen zu lassen.

Professioneller und fairer empfände ich allerdings einen klaren, offenen Umgang mit dieser Business-Entscheidung und eine mutige Kommunikation, die jedem Nutzer Klarheit, Entscheidungssicherheit und hinreichend Zeit für eine geordnete Überleitung auf eine neue Lösung gibt.

Alternativ wäre auch eine klare Aussage der knallgrau GF zur geplanten Lebensdauer von Twoday willkommen. Wenn man weiß, dass die Plattform zumindest die nächsten 5 Jahre existierte, fiele es einfacher, eigene Anstrengungen z.B. in Richtung eines vollständig neuen responsiven Bloglayouts zu unternehmen.

Bis zur einen oder anderen Aussage wird das lange und elende Sterben weitergehen, bis nichts mehr da ist, wofür es sich lohnt, twoday.net in die Browser-URL einzugeben. Oder wie es der Twitter-Präsident formulieren würde: "Twoday. It's a total desaster. So sad!"

Ich finde es extrem schade, dass twoday sich so selbst überlassen wird.
Antville - auf dem System twoday - war vom Potential seinerzeit seiner Zeit
(was für ein Wortwitz) ziemlich weit voraus. Nebenan bei Antville sind einige
Modernisierungen und Wartungen über Spenden möglich gewesen,
twoday hat einige Abonennten, die monatlich immer noch Geld abdrücken
und hier ist es nicht möglich, dass kurz mal aufs Jahr 2017 upgedatet wird?
Ich bin seit Anfang an auf twoday dabei, es würde mir extrem weh tun,
meine Blogheimat hier zu verlieren.
Was durch die User, die hierfür bezahlen, zusammenkommt, ist sicher nicht mal eine Handvoll Erdnüsse. Was meinen Sie denn, Herr Neon, wie viel man ungefähr investieren müsste, um den Laden hier auf Vordermann zu bringen? (Naja, selbst eine Spendenaktion wäre sehr wahrscheinlich ziemlich sinnlos, da fast jegliche Kommunikation abgeblockt wird und man gar nicht gewillt ist, hier in irgeneiner Form etwas zu investieren.)
@boomerang - Ja, es ist wirklich schade und schmachvoll, dass dem Zerfallsprozess Twodays taten- und kommentarlos zugesehen wird. Allerdings ist es auch nicht so einfach, eine 15 Jahre alte Software "kurz mal aufs Jahr 2017 upzudaten". Ein über 10 Jahre aufgelaufener Entwicklungsstau lässt sich nicht so einfach und schnell abbauen. Twoday kennt weder HTML5 noch moderne Frontend-Technologien, noch neuere Browser und deren Fähigkeiten.

Da der Eigentümer nicht bereit ist, diese Modernisierungsinvestition zu tätigen, könnte dies nur aus der Gemeinschaft erfolgen, wobei es da sicher einige gibt, die Designfähigkeiten, Programmierkapazität oder auch Geld beisteuern würden. Das bleibende Problem ist die Monetarisierung der Plattformdienste: warum soll man hier 20 EUR im Monat für 250 MB Speicherplatz bezahlen (Modell "Advanced"), wenn man bei MediaFire 10 Gigabyte kostenlos erhält? Warum soll man für ein Blog bezahlen, wenn bei Wordpress eines inkl. 3GB Speicher umsonst zu haben ist? Wenn aber Leistungen nicht monetarisierbar sind, wird der Produkterhalt zur Liebhaberei bzw. selbstlosen Charityspende. Da muss man dann ein sehr großes Herz haben, um noch Geld draufzulegen.

Die Frage ist also: bekommt man ein irgendwie geartetes Konstrukt hin, das eine modernisierte Twoday-Version technisch, inhaltlich und betriebswirtschaftlich dauerhaft trägt?
@Araxe - Sie sprechen ein wichtiges Problem an: es gäbe sicher Leute, die bereit wären, ihre Zeit und Skills für Modernisierungsarbeiten einzusetzen, allerdings bräuchte das auch ein klares Commitment des Plattformbetreibers zum dauerhaften Betrieb von Twoday.net, denn man will ja nicht nach mehreren Monaten der Arbeit plötzlich lesen, das Twoday in 4 Wochen abgeschaltet wird. Ein zweites Problem ist, dass die Modernisierung nicht nur das Frontend (also Skins auf der Client-/Browserseite) betrifft, sondern für manche Funktionen (z.B. sichereres Captcha, Public-/Private-Schlüssel für API-Aufrufe, etc.) auch auf der Server-Seite erfolgen müsste. Auf diese haben Externe jedoch keinen Zugriff. Verantwortung muss allerdings immer mit Kompetenz einhergehen. Ohne die Kompetenz eines serverseitigen Zugriffs macht ein Modernisierungsvorhaben wenig Sinn.

Ich wäre gerne bereit, in meiner Freizeit eine komplette, moderne, flexible, responsive Neu-Implementierung der Twoday-Skins zu erstellen, aber eben nur, wenn es eine verlässliche Bestandsgarantie gibt und eine definierte Änderungskompetenz für serverseitige Komponenten. Alternativ könnte man darüber nachdenken, vi knallgrau die Plattform komplett abzukaufen und selbst ins unternehmerische Risiko zu gehen. Bleibt jedoch das Monetarisierungsproblem (siehe oben).
Rosenherz (Gast):monika.gruber@gmx.at
Aha. Jetzt begreife ich, wieso es gar so mau geworden ist um die Blogs von twoday.
Das war die Absicht, den Hintergrund etwas zu beleuchten. Erhelle die Finsternis! (Bob Marley). ;)
Dennoch, Ranking hin, Ranking her, ich verstehe ja, dass man normalerweise aufgrund fehlender Relevanz der eigenen Seite aufgrund welcher Ranking-Kriterien auch immer nicht auf Seite 1 der Google-Ergebnisse landet, aber eine Suchmaschine sollte definierte Inhalte im Web finden können und nicht 0 Treffer anzeigen.

Hallo Treibgut - ich habe das nicht so deutlich formuliert, aber das ist nicht nur ein lineares mathematisches Bewertungsverfahren, sondern — wenn man gegen erhebliche Grundaspekte des Regelwerks verstößt — auch ein implizites Bestrafungssystem. Diese Bestrafung kann sowohl algorithmisch (man rutscht in der Anzeige der Suchergebnisse massiv nach hinten) oder auch vollständig manuell sein (ein Google-Mitarbeiter nimmt die ganze Domain manuell aus dem Index).

Dass Seiten generell bestraft werden (bis hin zum De-Listing), kann man durchaus verstehen. Ich möchte z.B. keine Webseiten in meinen Suchergebnissen haben, auf denen z.B. böswilliger Schadcode ausgeführt wird, die ihre obere Position durch gekaufte Backlinks manipuliert haben oder die ihre Besucher bewusst täuschen. Natürlich gibt es bei der Bewertung graduelle Unterschiede und man kann unterschiedlicher Meinung sein, was noch tolerabel ist.

Klar ist aber auch, dass Twoday seit einiger Zeit ziemlich deutlich gegen aktuelle Bewertungsregeln verstößt. Hier mal vier Beispiele:

  1. Twoday hat ein massives Spam-Problem, welches nicht konsequent genug bekämpft wird. Da externe Links kein Nofollow-Attribut aufweisen, führen Spam-Links (siehe z.B. aktuell hier) auf evtl. schädliche Websites (die evtl. auch noch bei Google gemeldet wurden ) zu massiven Abwertungen.
  2. Integrität gegenüber Anwendern: Die Abschaltung der Blogneuanlage vor 3 Jahren hat zu einer gefühlten Irreführung von Besuchern geführt, die erst nach ihrer Anmeldung (mangels unmissverständlicherer Information und prominenterer Position auf der Homepage) feststellen mussten, dass eine Neuanlage nicht möglich und auch absehbar nicht mehr gewünscht ist. Ich würde mich nicht wundern, wenn einige der enttäuschten Interessenten die Webseite bei Google gemeldet hätten.
  3. Twoday liefert keine spezielle Version für mobile Anwender aus; die Webseiten verhalten sich somit nicht responsiv (=passen sich nicht unterschiedlichen Gerätedimensionen an), sie sind auf Mobilgeräten schlecht bis nicht lesbar. Seit der mobile-friendly Algorithmusänderung werden solche Webseiten deutlich abgewertet. Nicht ganz zu Unrecht, wenn man sich die generelle Zunahme mobiler Webzugriffe ansieht.
  4. Aufgrund des Alters und des beträchtlichen Entwicklungsstaus gibt es eine Reihe technischer Unzulänglichkeiten: ob Code-Qualität (87 Fehler auf 5 Twoday-Seiten), URL-Format ohne "trailing slash" mit dem Risiko, dass Google "duplicate content" konstatiert, kein "canonical tag", uraltes "Presentational HTML" (keine Trennung von CSS), keine Sitemap, kein robots.txt usw. usf.

Für sich genommen kann man all diese Problembereiche bearbeiten — nur, man muss es auch irgendwann mal angehen, sonst addiert sich das eben (wie derzeit) zu einer ziemlichen üblen Gesamtwertung und ich sehe aktuell nicht, dass knallgrau die Absicht hätte, hierfür noch strategische Antworten zu entwickeln.

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