Dinge, die gut sind

Freitag, 24. April 2009

Nächtliche Erdbeer/Rhabarber-Orgie

Gekaufte Marmelade hat bei mir einen ähnlichen Stellenwert wie eine fiese Streptokokkenangina. Seit Jahren habe ich keine industriell hergestellte Marmelade mehr gegessen. Irgendwann habe ich entschieden, mir dieses zusammengepanschte, zu Quantenteilchen zerkochte, vor Zucker stehende Chemieaggregat, welches meist nur noch rudimentäre Bestandteile von Frucht enthält, nicht mehr anzutun.

Selbst die Konfitüren, die angeblich besonders hohe Fruchtanteile haben sollen, schmecken so künstlich als hätte man gerade 2 Stunden an einem Kautschukreifen mit Erdbeersirupgeschmack gelutscht - nicht zu reden von den ganzen E-Stoffen, Säuerungs-, Gelier- und Verdickungsmitteln, deren immer neue Kombinationen wahrscheinlich immer gut für einen netten Allergieschub sind.

Das bedrückende Gefühl, keine selbstgemachte Marmelade mehr zu haben, kann also nur ein Raucher nachvollziehen, der gerade merkt, dass ihm die Zigaretten ausgegangen sind. Man schafft entweder schnell Ersatz oder man hat 4 Stunden später einen Nervenzusammenbruch oder bringt jemanden um.

Ungefähr so muss man sich meine Situation gestern Abend gegen 19:30 Uhr vorstellen. Nicht gut. Gar nicht gut. Also rauf auf den MINI und in Lichtgeschwindigkeit zu ALDI zwecks umfangreicher Akquisition der halben Obstauslage kurz vor Ladenschließung. Später, reichlich nach den Tagesthemen, war dann Show-Time:

- 4x Erdbeer/Rhabarber/Whiskey
- 4x Erdbeer/Rhabarber/Rum
- 4x Erdbeer/Rhabarber/Pflaume/Ingwer/Rum
- 4x Mango/Rhabarber/Whiskey
- 2x Brandflecken von heißer Marmelade auf dem rechten Daumen

Ich denk, das reicht jetzt erst mal wieder für ein paar Tage. Und um 2 Uhr nachts war die Küche auch wieder vorzeigbar. Und das Frühstück war genial göttlich!
Neon!

Mittwoch, 15. April 2009

Going Home

Going Home

12 Wochen, 13 Stunden und 40 Minuten. Unendlich viel Zeit. Dann werde ich nach Jahren meine alte, junge Liebe wiedersehen. Ich werde von Newark Airport aus durch den Lincoln Tunnel fahren und da wird sie sein. Aufgeregt und leuchtend wird sie auf mich warten. Sie wird sich sehr verändert haben. So lange haben wir uns nicht gesehen. Aber ich werde sie wiedererkennen. Ich werde die Augen schließen, langsam ihren Geruch durch meine Nase ziehen und ganz zuhause sein.

Ja, ich werde träumen und riechen und ganz zuhause sein. Unter der Kühle eines duftenden Blätterdachs von tief herabhängenden Zweigen alter Zierkirschenbäume, nahe Sheep Meadow. Dort, an dem Platz, den ich schon kenne, werde ich im dichten Gras liegen. Unbändige Stille, im Central Park, inmitten der tosenden Stadt. In a neon wilderness. Ich werde sitzen und beobachten. Schauen, wie die Spieler am Chess & Checker House ihre überlegten Züge machen. Ich werde mich unter die Skater im Bandshell und am Cherry Hill mischen. Dann werde ich den Big Loop über Cedar Hill, Cat Hill und Cleopatra's Needle nehmen.

Abends werde ich den kleinen Neon und seinen besten Freund ins Decibel am St.Mark's Place führen und sie werden staunen, wieviel verschiedene Sake man in einem kleinen, dunklen, versteckten Kellergewölbe bekommt. Kann sein, wir gehen vorher ins Maloney & Porcelli oder Smith & Wollensky, für die genialsten Steaks der Stadt. Oder ins sushiYa in Midtown Manhattan, 56ste Straße, für eine wundervolle Miso Soup und ein Dutzend himmlischer Boston/Alaska rolls.

Bestimmt jedoch werden wir Drei noch ins SOBS gehen, zwischen Varick Street und West Houston, und zu Samba Musik Mochito trinken. Wenn ich ganz ganz viel Glück habe, spielen Seeking Homer in den Wetlands oder in Irving Plaza. Oder Ben Folds Five rockt wieder den Hammerstein Ballroom.

Dann irgendwann, in dieser kurzen Woche, werde ich mich stellen müssen. Ich werde dahin gehen, wo nichts mehr ist, dahin, wo keine Erinnerung mehr vertraute Bilder findet. In meinen Gedanken werde ich hochfahren in den 107.Stock. Ich werde still sitzen und im Geiste an den raumhohen Fenstern von 'Windows on the World' vorbeigehen. So wie damals. Ich werde mit geschlossenen Augen auf die vielen Lichter schauen, da wo Hudson und East River zusammenfließen, und meine Hände auf die starken, kühlen Metallrahmen stützen. So wie damals. Ich werde mich an die Menschen erinnern, die nicht mehr sind. Dann, eine Weile später, werde ich endgültig Abschied nehmen von den Türmen, in denen ich fast 12 Monate arbeitete. Ich werde gehen, und loslassen, und nicht mehr zurückschauen. So ist der Plan, in 12 Wochen, 13 Stunden und 30 Minuten.

Neon!

Dienstag, 25. November 2008

Der Schneeflocken-auf-Lippe Moment

Schneeflöckchen Weißröckchen

"Steh", sage ich, als der Hund aus rein blasentechnischen Ambitionen und in völliger Ignoranz dieses heiligen, unberührten Bildes diese unschuldige, samtweiche Decke aus Schneeflöckchen Weißröckchen frischen weißen Schnees mit seinen Pfoten für immer zu zerstören beabsichtigt.

Sofort erfriert jede seiner Bewegungen. Solidarisch die Beine zusammenkneifend, knie ich mich neben ihn in die geöffnete Türe und wir lauschen gemeinsam für ein paar Momente dem tosenden dunklen Wind, der die schweren Flocken auf den Boden peitscht und mit jeder Sekunde den weißen Teppich dicker werden lässt. Kann ein Tier das außergewöhnliche Besondere einer stillen Situation empfinden?

"Jetzt", sage ich, packe die Kamera weg, und er springt in den Schnee, schnüffelt ihn aus, wälzt sich durch ihn, wuschelt unter die weiße Decke, rollt sich über das weiche Bett, schnappt nach den tanzenden Flocken, springt durch den weißen See - ohne noch einen Moment an seine volle Blase zu denken.

"Wie dumm du doch bist, diese Frage zu stellen", sage ich leise zu mir selbst, und sehe ihm still zu, während ich die schmelzenden Schneeflocken von meiner Lippe lecke.

Neon!

Dienstag, 22. Juli 2008

Unfassbare Geschichtsblasphemie

A great man

Ist das so etwas wie ungeheuerliche, unakzeptable Geschichtsblasphemie, wenn man mit Erfolg vorschlägt, den kleinen Stoff-Spielbären des Hundes ab sofort "Stauffenberg" zu nennen, weil ihm ein (rechter abgebissener) Arm und ein (linkes nicht vorhandenes) Auge fehlt!? 20. Juli hin oder her - als ich den kleinen Stauffenberg das einarmige Bärchen so apportiert vor mir liegen sah, fiel mir einfach kein anderer besserer Name ein.

P.S. "Ja hol' den Stauffenberg!" funktioniert übrigens auch schon prima.

P.P.S. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur vorbringen, dass ich im Mo mental derangiert bin. Und dass ich daneben selbstverständlich alles über den deutschen Widerstand gelesen habe. Und dass es mehr Möglichkeiten geben müsste, Männer wie von Tresckow, Bonhoeffer, Canaris, Goerdeler, Olbricht, und von Witzleben im täglichen Leben präsent und gegenwärtig zu machen.

Neon!

Donnerstag, 3. Juli 2008

Neu: Dinge, die gut sind

The 117+ experience

Heute ist es Zeit für eine neue Rubrik. Ein Mann mit meiner Erfahrung, meiner über alle Zweifel erhabenen Entscheidungs- und Geschmackssicherheit sowie meiner durchaus irgendwo stark empfundenen Liebe zu meinen Mitmenschen sollte eines Tages beginnen, sein gesammeltes Wissen weiter zu geben.

So möchte ich heute beginnen, Dinge auszusprechen, die ich gut finde, in der Hoffnung, dass andere Menschen, die einst in eine ähnliche Lage geraten, sich an meinen guten Rat erinnern und in sanfter Ergriffenheit flüstern werden: "Ja, der Mann hat es vor uns gewusst, und bei Gott, er hat uns vorher völlig selbstlos gesagt, was uns erwartet, und Teufel nochmal, es war gut, diese entscheidungs- und geschmackssichere Meinung zu lesen und auf sie zu hören!".

Und so ist es nun Zeit für die erste große, ja, ich möchte sagen, nicht unwichtigste Erkenntnis in meinem Leben: "Ich, Neon, finde gut, dass, egal, was man schreibt, man aus 117+ nicht mehr rausfliegen kann.".

Diesen elementaren Satz sollte jeder kritische Geist für sich reflektieren, weil es so ein unglaublich gutes Gefühl erzeugt. Auch für dich Querdenker gibt es endlich einen Ort, an dem du bleiben kannst. An dem dein geistiges Gut nicht mehr entsorgt wird. An dem du sein darfst, wie du wirklich bist. An dem keine Roberta Mugabe kommt und dich wegen eines schnöden "Olé Olé Olé" oder deiner Verehrung für "Tokio Hotel" in den Blog der Verdammnis und Vergessenheit auslagert. Denn du bist bereits da. Du bist bereits angekommen.

117+, er lebe hoch, hoch, hoch!
Neon!
Außergewöhnliches
Dinge, die gut sind
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