Die Rückkehr der Lowther-Boxen (Teil 1)
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Jede Box hat zwei Treiber: einen Lowther PM2 frontseitig sowie einen PM6c hinten schräg
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Die Treiber sind ziemlich durch den Wind: bei diesem ist die Sicke fast komplett zerfallen
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Der älteste Treiber von 1988. Die staubtrockene Sicke zerbröselt bei Berührung
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Dieser PM6c ist noch in etwas besserem Zustand. Sicke muss aber auch erneuert werden
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Immerhin sind die Doppelmembrane bei allen Breitbändern noch ganz gut in Schuss
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Die Boxen sind durch die Innenfaltungen enorm schwer. Gewicht ohne Treiber ca. 30 kg.
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Die hinteren Treiber sitzen schräg in der Box. Beide Treiber werden getrennt angesteuert
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Furnier und Granitsprayüberzug von annodazumal sind ziemlich durch
Wahrscheinlich habe ich in letzter Zeit zu viele Hornbach-Reklamen gesehen, denn seit einigen Wochen verspüre ich den Wunsch, nach längerer Zeit mal wieder etwas Handwerkliches zu machen. So ein Zufall, dass zeitgleich auch der kleine Neon eine wunderschöne eigene Wohnung gefunden hat und jetzt dringend ein Paar guter Boxen braucht: seit Jahren (eher Jahrzehnten) stehen nämlich meine zweiten Selbstbauboxen im Keller, im unfreiwilligen Tiefschlaf, weil sie seinerzeit durch — sagen wir — weitgehend subtile weibliche Knebelung Bedrohung Zwangausübung Überzeugungsarbeit wegen ihrer angeblich "überdimensionalen" Größe (pfft, 80x36x46cm HBT ist doch wohl nicht groß!) aus dem Wohnzimmer weichen mussten. Naja, was tut man nicht alles als kompromissbereiter, beziehungsgereifter Mann: man hört Musik auf kleinen Canton-Würfeln, die nicht mal das Volumen einer Rolle Klopapier erreichen!
Und herrje, was für ein Unterschied das klanglich ist! Die Boxen sind ein Nachbau der Lowther Auditorium Acousta, sehr ähnlich der späteren Academy mit äußerst komplexen Innenfaltungen in irren Winkeln, sogenannte Exponentialhörner, und beherbergen jeweils zwei Breitbandlautsprecher der englischen Firma Lowther-Voigt mit einer Frequenzbreite von 30Hz bis 20kHz.
Seit über 70 Jahren stellt Lowther diese Breitbänder in Handarbeit her, die in der Box übrigens ohne Frequenzweiche auskommen und ein sehr beeindruckendes Hörbild über das gesamte Frequenzspektrum liefern. Leider haben die Lowther Chassis während des Dornröschenschlafs doch ziemlich gelitten, wobei die Schaumstoffsicken ohnehin eine sehr limitierte Lebenszeit haben.
Natürlich könnte man die Sicken selbst tauschen; auf YouTube gibt es sogar speziell für die Lowther Chassis gute Anleitungsvideos, jedoch ist bei einem der PM2s auch die Schwingspule defekt und das übersteigt definitiv meine Kompetenz. Auch sind die Lowther Speaker immer noch ziemlich teuer und meine Lernkurve bei der erstmaligen (und wahrscheinlich einmaligen) Reparatur nicht steil genug. Das geben wir dann doch besser in kompetentere Hände.
Ich werde mich stattdessen lieber um die Runderneuerung der Lautsprechergehäuse kümmern, die dringend eine neue Außenhaut benötigen. Konkrete Ideen dazu habe ich auch schon — die folgen dann in Teil 2/3.
Apropos Boxengröße: mit der Exponentialhorntechnik lassen sich ziemlich interessante Dinge bauen. Nelson Pass hat hier den Bau eines Hornlautsprechers dokumentiert, den er "Kleinhorn" genannt hat. Hm, der Mann muss auf jeden Fall Single sein, ansonsten wäre das — selbst nach Boxenliebhabermaßstäben — sehr mutig.