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Nachtgedanken

Montag, 9. November 2009

Bleierne Matratzengruft

Stille. Eine bleierne, bedrückende Schwere liegt wie eine meterdicke Schicht von Schmerz und Elendigkeit über dieser Wohnung. Ich sitze am Küchentisch meiner Eltern und starre auf die Präsentation auf meinem Laptop, die ich bearbeiten sollte - doch meine Gedanken sind weit weg.

Leise höre ich das ruhige, beständige Ticken der schweren Eichenstanduhr aus dem Wohnzimmer, während mein Blick über die furnierten Küchenschränke flimmert, die mich an die lang vergangene Zeit erinnern, in der ich hier wohnte. "Hast Du am Mittwoch ein paar Stunden Zeit?", fragt meine Mutter am Telefon und ihre Stimme hat etwas bedrohlich Flehendes, "...ich muss mal hier raus". "Ja, ich werde um halb zwei da sein", sage ich und achte darauf, das nichts passiert, was mein Versprechen auch nur im Entferntesten gefährden könnte.

Kurz sprechen wir noch, über das Morphiumpflaster und das grüne Kontrolllicht des Druckwechselbetts. Dann höre ich die Haustüre zufallen - und ich bin alleine, mit meinem Vater. Unbeweglich liegt er in dem Bett, das mittels einer Maschine auf dem Boden periodisch die Liegeflächen der Matratze mittels Pressluftzufuhr verändert. Es ist dieser Moment, in dem man von der leibhaftigen Existenz von Druckwechselmatratzen erfährt, allerspätestens dann, wenn das eisige Prinzip unverschuldeten Siechtums und kalter, böser, langer Sterblichkeit sich Platz greift in deinem unschuldigen, naiven und bislang lebensfrohen Hirn und deine Welt nicht mehr dieselbe ist. Von jetzt auf gleich. Und nimmermehr.

Wie tot liegt er da. Der Kopf wie die Totenmaske von Heinrich Heine. Den Mund geöffnet. Die Wangen tief eingefallen, die Augen geschlossen. "Paps, ich bin hier, möchtest du etwas trinken?", frage ich meinen Vater. "Jaaa", kommt es leise stöhnend und mit immer geschlossenen Augen zurück. Ich nehme den Trinkbecher mit dem Cola-Wassergemisch und berühre vorsichtig seine Unterlippe. Zweimal saugt er an der Lasche des Bechers, dann lösen sich seine Lippen. "Hast Du Schmerzen?", frage ich, während ich seine Hand halte. Kaum merklich bewegt sich sein Kopf und beendet die Verneinung, als wenn sie unendlich Kraft gekostet hätte. Dann sitze ich wieder am Küchentisch und sende leere Blicke auf die Powerpoint-Slides, bevor ich resignierend aber voller Sinn den Bildschirm zuklappe.

Heute, jetzt, treffe ich die Entscheidung, dass ich nicht so gehen werde. Wenn die Zeit kommt, einst, und hoffentlich weit entfernt, werde ich mein Leben beenden, so es irgendwie in meiner Macht steht, und nicht ein Sklave der bleiernen Matratzengruft werden. Niemals.

Eine Woche später. "Du musst sofort kommen", sagt meine Mutter, "dein Vater glaubt mir nicht, dass wir vor 5 Jahren umgezogen sind". Als ich ankomme, redet er mit geschlossenen Augen. Manchmal klar, manchmal wirr. "Weisst Du, wo Du bist?", frage ich ihn. "Siehst Du den grünen Frosch da?", fragt er mich mit geschlossenen Augen. Nur kurz rebelliert mein sachlich-logisches Gehirn, dann schließe auch ich die Augen. "Ja, Paps, den sehe ich", sage ich und lege meine Hand auf seine rechte Wange.

Neon!

Dienstag, 6. Oktober 2009

Alle Lust will Ewigkeit

O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
"Ich schlief, ich schlief -,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: -
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh -,
Lust - tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit -,
- will tiefe, tiefe Ewigkeit!"

Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra (1883-1891)

Neon!

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Think for a minute

Think for a minute. Stop for a minute.

Mein Gott, mein Gott, mein Gott, ist es wirklich schon ein Jahr her, dass ich das und das schrieb? Wie lange werde ich noch Meilen gehen und durch Nächte schwimmen bis mein Herz wieder schlafen kann. Und dann, in meinen Gedanken, bekomme ich die SMS eines guten Freundes, dass sein junger, grad 20+ jähriger Sohn an Krebs erkrankt ist und in der Chemo ist. "Mein Vater auch", schreibe ich, "aber ich glaube, es ist nicht vergleichbar damit, seinen eigenen Sohn leiden zu sehen".

Es gibt Menschen, denen schlägt das Leben immer wieder in die Fresse. Nicht mir. Mir geht's ganz OK. Heute Nacht denke ich an meinen Freund. Und ich hoffe und wünsche so sehr, dass alles gut wird.

Neon!

Dienstag, 30. September 2008

Nachtschwimmer

Dark stormy sea

Hab' an dich gedacht heut' Nacht
habe dich und mich bewacht,
hab' gesucht nach deiner Mail,
hatte so ein Zartgefühl.
Mail ist keine angekommen,
bin ganz weit hinausgeschwommen,
hab' gesucht in hohen Wellen,
mich gestürzt in dunkle Quellen
tief, ganz tief, in all die Jahre,
auf dass ich unsere Zeit verwahre,
danach zu suchen, was wir waren,
ich roch den Duft von deinen Haaren,
küsste sanft dir auf die Brust,
spürte unsere wilde Lust,
bin noch weit hinaus geschwommen,
bin nicht mehr zurück gekommen,
schwamm die Wellen auf und ab,
bis mich Dunkelheit umgab,
hab' nicht mehr zurück gefunden,
hab' so viel für dich empfunden,
werde immer weiter treiben,
und versuchen wach zu bleiben,
denk daran, wie es begann,
bis ich endlich schlafen kann.

Neon. 29.09.2008.

Sonntag, 24. Februar 2008

Glaube, Liebe, Hoffnung

Glaube, Liebe, Hoffnung, Fucked

Frei nach Horvath's kleinem Totentanz in 5 Bildern.
Neon!

Donnerstag, 21. Februar 2008

Simplifikation

Simplifikation

"Oberste Prinzipien, Clarice. Simplifikation! Lesen Sie bei Marc Aurel nach. Bei jedem einzelnen Ding die Frage, was ist es in sich selbst? Was ist seine Natur?". Und ich denke, warum also vorgestern so viele Worte machen um etwas, was ein einfaches Bild hätte präzise zusammenfassen können.

Neon!

Dienstag, 29. Januar 2008

But I have promises to keep...

Waldesdunkel

Plötzlich waren sie da. Entluden sich kurz wie ein Blitzlicht in meinem Kopf. Zündeten sofort das bereitwillige Meer der Synapsen, die sogleich neugierig auf die Suche gingen, die Worte und ihre Bedeutung wieder zu finden. Magische Worte aus einem Film, der mich einst in seinen Bann zog:

Des Waldes Dunkel zieht mich an
Doch muß zu meinem Wort ich steh'n
Und Meilen geh'n bevor ich schlafen kann
Und Meilen geh'n bevor ich schlafen kann.


Das vollständige, englische Original von Robert Frost klingt weniger bedrohlich, jedoch nicht weniger schön.

Robert Frost - Stopping by Woods on a Snowy Evening

Whose woods these are I think I know.
His house is in the village, though;
He will not see me stopping here
To watch his woods fill up with snow.
My little horse must think it queer
To stop without a farmhouse near
Between the woods and frozen lake
The darkest evening of the year.

He gives his harness bells a shake
To ask if there is some mistake.
The only other sound's the sweep
Of easy wind and downy flake.
The woods are lovely, dark and deep,
But I have promises to keep,
And miles to go before I sleep,
And miles to go before I sleep.


Und Meilen geh'n, bevor ich schlafen kann...
Neon!

Freitag, 18. Januar 2008

Driftwood

hollow

"Als wenn das so einfach wäre...", sage ich. "Als wenn es so einfach wäre, sich sein Herz heraus zu reissen, für immer in die Stille zu gehen und alles zu vergessen".

"Du bist Treibholz", sagt der Mann im Spiegel. "Nichts als Treibholz, das in immer kleinere Teile zerbricht, mal über Wasser, mal unter Wasser, nicht wissend, wo es dich anspült, wo deine Reise endet".

"Gut so", sage ich, "ich liebe das Leben auf der Sinuskurve und ich liebe Überraschungen".

Neon!

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Mein Herz ist ein dunkler Wald

darkf

Mein Herz, das ist ein dunkler Wald,
mit Pfaden, die im Kreise führen,
mit schwarzen Farben ausgemalt,
Bildfetzen, die mich sanft entführen.

Mein Herz, das ist ein dunkler Schacht,
hat sich an mir versündigt,
und mich hierher hinab gebracht,
ich hab' ihm jetzt gekündigt.

Mein Herz ist so ein sturer Fall,
will gar nicht recht begreifen,
Ach Herz, wärst du doch aus Metall,
dann könnt' ich dich neu schleifen.

Mein Herz, es ist ein wundes Fleisch,
wird niemals je verheilen,
umschlingt mich sanft und wolkenweich,
und fleht, noch zu verweilen.

Mein Herz, du bist ein dunkler Wald,
ich lass dich noch gewähren,
doch wird die Seele bitterkalt,
es wird Zeit, umzukehren.

Ich weiß, du wirst es richtig machen,
warst immer so verlässlich,
mein Herz, lass uns noch weitermachen,
noch ist es nicht bedrohlich.

Neon. 19.12.2007.

Mittwoch, 21. November 2007

And so it goes

And so it goes, and so it goes... niemals würden mir schönere und traurigere Worte einfallen als Billy Joel sie für diesen Song gefunden hat. Nichts könnte es jetzt besser ausdrücken. Kein Wort zuviel - und keines zuwenig.

Und so wird es Zeit für mich, zu gehen. To heal the wounds from lovers past. And so it goes, and so it goes. And you're the only one who knows.

Neon!

In a neon wilderness

he was restless

Come On

and tune in to the bittersweet symphony

Sonnet

Life is either a daring adventure or nothing. To keep our faces toward change and behave like free spirits in the presence of fate is strength undefeatable.”

(Helen Keller - American Author and Educator who was blind and deaf. 1880-1968)



neonwilderness[AT]ymail[DOT]com

Weeping Willow

Ihr Blog hat über...
Ihr Blog hat über die Jahre auch in mir bestimmte...
NeonWilderness - 25. Nov, 10:12
In Ihnen fließt...
In Ihnen fließt eindeutig italienisches Geschmalz-Macho-Süßholzger aspel-Blut,...
caliente_in_berlin - 25. Nov, 10:08
*pöh! Intellektuell!
*pöh! Intellektuell!
Mahakala - 25. Nov, 09:53
Mein jetziger ist so...
Mein jetziger ist so nett, dass ich das dem gar nicht...
C. Araxe - 25. Nov, 03:53
Dafür können...
Dafür können wir ja meinetwegen weiter Untermieter...
NeonWilderness - 25. Nov, 03:44
Nö. Schnöder...
Nö. Schnöder Mammon. Das ist mir zu blutleer.
C. Araxe - 25. Nov, 03:38
Ich denke, nach der ersten...
Ich denke, nach der ersten Million werden Sie Ihre...
NeonWilderness - 25. Nov, 03:36
Das glaube ich Ihnen...
Das glaube ich Ihnen ohne Weiteres. Ihr Businessplan...
C. Araxe - 25. Nov, 03:32

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Zuletzt aktualisiert: 25. Nov, 10:13

Lucky Man