Außergewöhnliches

Sonntag, 12. März 2017

Und ewig grüßt der Bilderumzug

hosting.jpg

Nach Google Drive beendet nun auch Dropbox überraschend die Funktion des öffentlichen Hostings von Ressourcen (sog. Hot-Linking). Wer noch stolzer Besitzer eines älteren Dropbox-Accounts mit einem öffentlichen Public-Ordner war und darauf aus seinem Blog auf Bilder, Videos, PDFs oder sonstige Ressourcendateien verlinkt hatte, hat ab jetzt nur noch wenige Tage bis zum 15.03.2017 Zeit, seine Quelldateien woanders unterzubringen und die relevanten Blog-Links auf den neuen Zielort anzupassen. Übrigens ist dies kein spezifisches Twoday-Problem sondern betrifft alle Webseiten (Wordpress, Joomla, statische HTML-Webseiten, etc.), die beliebige Dropbox-Dateien des eigenen Public-Ordners verlinkt haben.

Langsam bekomme ich darin eine ungeliebte Übung, mit allen Bild-, Video- und Dokumentdateien umzuziehen, denn nach Google Drive im August 2016 sowie dem notwendigen Transfer nach Dropbox ist es nun schon die dritte Lösung, die mangels ausreichendem Twoday-Speicherplatzangebot gefunden und eingerichtet werden muss.

Bei der Gelegenheit habe ich mir zwei (relativ) neue Anbieter angesehen, die jeweils in einer kostenlosen Basisversion ein brauchbares Modell für Blogressourcen zur Verfügung stellen:

  • Cloudinarygd/cloudinary.png
  • Modell Free
  • Direktlinks (Hotlinks) für alle Dateitypen (Bilder, Videos, Sonstige)
  • 75.000 Bilder/Videos frei
  • 7.500 Bildtransformationen je Monat frei
  • 2 GB Speicher
  • 5 GB Bandbreite je Monat
  •  Cloudinary
  • MediaFiregd/mediafire.png
  • Modell Basic / Free
  • Direktlinks (Hotlinks) für Bilddateien (nur JPGs); andere Dateitypen nur im Bezahlmodell
  • unbegrenzte Bildanzahl
  • 10 GB Speicher (aufstockbar auf 40 GB)
  •  MediaFire

Insbesondere Cloudinary scheint mir sehr interessant zu sein, da einerseits die Free-User-Begrenzung von 75.000 Bildern doch sehr großzügig ist, andererseits die Bild­trans­formations­möglichkeiten absolut be­ein­druckend sind: Verkleinern, Zurechtschneiden, Drehen, automatische Gesichts­erkennung und -fo­kus­sierung, Filter­anwen­dungen, Over­lays u.v.m. lässt sich auto­matisch über eine Ergänzung in der Bild-URL erreichen. Ein Beispiel­bild der Art:

Cutie from unsplash.com

lässt sich nur durch die Erweiterung der Bildadresse verändern:

Da sich Bildtransformationen beliebig verketten lassen, kann man mehrere gewünschte Veränderungen bis zum gewünschten Ergebnis hintereinanderschalten. Das alles findet dynamisch auf dem Cloudinary-Server statt — das Quellbild bleibt natürlich stets unverändert. Insgesamt eine sehr brauchbare Bild­speicher­lösung mit Zusatz­nutzen und vor allem kostenlos, wenn man — womit bei normaler Blog­bebilderung nicht zu rechnen ist — nicht in die Nähe der definierten Limits gelangt.

MediaFire beeindruckt primär durch den immensen kostenlosen Speicherplatz im Free-User-Model — 10 Gigabyte reichen wohl erst mal eine Weile, zumal man diese noch durch Freundeswerbung oder Social-Media-Verknüpfung auf sagenhafte 40 GB (!) aufstocken kann. Getrübt wird die Freude einzig daran, dass man zwar alle Dateitypen hochladen kann, jedoch nur jpg-Bilddateien direkt verlinken, d.h. per <img>-Befehl in den eigenen Blog einbauen kann (sog. Hot-Linking). Gerade das ist aber für Blogger nicht gerade unwichtig. Auch werden andere Bildtypen beim Hochladen stets auf jpg konvertiert, was zumindest bei gif- oder png-Dateien nicht besonders sinnvoll ist. Wer jedoch eh nur jpg-Bilddateien verwendet, für den ist MediaFire wahrscheinlich die Traumlösung, weil eben schier unerschöpflich (immerhin gibt's als Free-User 3.413 — in Worten drei­tausend­vier­hundert­dreizehn — mal soviel Platz wie bei Twoday). Bloggen Sie das erst mal voll!

Dritte Alternative ist (wie schon immer) der eigene Webspace, sofern vorhanden. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist natürlich (und nach mehrmaligem Umzug nun erst gerade) die Dauerhaftigkeit und Beständigkeit der Bildspeicherlösung. Irgendwann möchte man ja doch mal für einen längeren Zeitraum mit Umzügen verschont bleiben, obwohl über aller notwendigen Bildspeicherauswahl darüber natürlich die Lebensdauer Twodays final entscheidet.

P.S. In den nächsten Tagen werden also hier einige Bildumzugaktionen, Bildadressänderungen in Beiträgen und sonstige Umstellungen stattfinden. Sorry vorab für die Strapazierung der Abo-Blogroll. ;)

Mittwoch, 22. Februar 2017

Vom Niedergang Twodays — Chronik eines angekündigten Siechtums

tdtrumped.png

Spätestens seit Twoday-Blogs nicht mehr über die organische Google-Suche auffindbar sind, gibt es eine wachsende Konfusion über die Sinnhaftigkeit des weiteren Bloggens auf dieser Plattform. Denn wenn man nicht gerade ein nettes Befindlichkeitstagebuch für sich selbst führt, will man ja doch irgendwo gelesen werden und durch Leserkommentare in eine lohnende Interaktion gelangen.

Dies allerdings ist ein Anspruch, der auf Twoday kaum mehr zu realisieren ist, denn das weltweite Internet weiß nichts mehr von Twoday und die x-1000 Blogs sind — egal mit welcher Suchwortkombination — faktisch nicht mehr über Google auffindbar. Warum das so ist, soll im folgenden näher erläutert werden. Doch zunächst die notwendige Warnung vor womöglich brachial erschütternden Fakten (sadly no fake news):

"Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren"
Dantes Commedia

Die Suche nach den Gründen für das marginalisierte Google-Listing nimmt bereits groteske Züge an: manche Eigentümer politisch gefärbter Blogs halten tatsächlich die gefühlte Brisanz ihrer eigenen Texte für ursächlich und sich selbst für ein Opfer des durch Google repräsentierten brutalstmöglichen Weltkapitalismus. Blöd nur, dass völlig inhaltsunabhängig gleich alle Twoday-Blogs (=Subdomains) von der politischen Zensur Bestrafung betroffen sind, selbst ganz harmlos daherkommende Koch- und Strickblogs. Das war's dann auch zu dieser These.

Vielleicht hilft im postfaktischen Zeitalter der Blick auf harte, überprüfbare Fakten, dem Lösungsraum für das Google-Desaster etwas näher zu kommen — z.B. eine Grafik über die Entwicklung der organischen Twoday-Webseitenaufrufe vom Januar 2012 bis Januar 2017:

penalty/tdpenalty1.jpg

Quelle: https://feinternational.com/website-penalty-indicator/?url=twoday.net&semdb=de — Daten: https://www.semrush.com

In den letzten 5 Jahren ist der organische Traffic von einem Hoch im April 2012 von 154.298 auf ein all-time-low im Januar 2017 von nur noch 237 gefallen. Dies entspricht einem desaströsen Einbruch der Zugriffszahlen um 99,85% und liegt eindeutig und unzweifelhaft an einer Kette von Google Penalties (Webseiten­bestrafungen), die sich für Twoday auf Basis jeweils neu eingeführter Prüf­algorithmen für Webseiten­qualität ergeben.

penalty/tdpenalty2.jpg
penalty/tdpenalty3.jpg
penalty/tdpenalty4.jpg

Penguin, Possum, Panda, Pigeon, Hummingbird, Phantom — Google testet und verändert laufend seinen umfassenden Algorithmus zur Bewertung von Webseiten und gibt diesen Updates interessante (Tier-)Namen. Jeder der in der Grafik erkennbaren vertikalen Farbbalken steht für eine der vielen Änderungen des Algorithmus, welcher wiederum über die Quantifizierung zigtausender Rankingfaktoren täglich eine Gesamtwertung für eine Webseite ermittelt. Diese finale Gesamtwertung einer Webseite bestimmt unmittelbar die Position ihrer Anzeige in den Google-Suchergebnissen (SERPs).

Bewertungen kann man grundsätzlich verwerflich finden, jedoch sind diese unzweifelhaft erforderlich, wenn man als Google-Suchender relevante, aktuelle, technisch auf allen Endgeräten gut lesbare, nützliche, unmanipulierte (z.B. durch gekaufte Backlinks) Inhalte sehen möchte. Der Anspruch, "Informationen der Welt zu organisieren und allgemein zugänglich und nützlich zu machen" bedingt, dass die Abermillionen an Quellen auf Basis einer sinnvollen Kriterienmenge in eine Ordnung gebracht werden. Wer will schon Webseiten sehen, die über 10 Jahre nicht verändert wurden und z.B. die Existenz von mobilem Surfen (d.h. verschieden großen Endgeräten) beharrlich ignorieren.

Und so nimmt es nicht wunder, dass alleine die beiden letzten großen Algorithmusänderungen (Mobile-friendly und Phantom im 1.HJ 2015) ein weiteres Armageddon für das Ranking der Twoday.net Seite bedeuteten und in der Folge einen massiven Einbruch des organischen Traffics um knapp 99% auslöste. Bei 237 Google-Besuchern im Monat (!), verteilt auf alle Blogs, Spammer eingerechnet, muss man sich als Twoday-Blogbesitzer wohl keine Gedanken mehr um Reichweite machen. Man bloggt bereits nur für sich und den kuscheligen Kreis der Abonnenten.

Wenn man dann Aussagen wie "Die Sache mit Google liegt leider nicht in unserer Hand" liest, ist das auch nicht sehr zielführend und hat in etwa den Fake-News-Score eines Bowling Green Massakers. Wer anders als der Website-Eigentümer hat denn die alleinige und originäre Kompetenz, eine Webseite entlang der bekannten Kriterien so zu verbessern, zu modernisieren, zu warten, dass sie langsam aber beständig wieder im Google-Ranking steigt (bzw. gar nicht erst sinkt)? Spamfreiheit, Modernität, Aktualität, responsives Layout, technische Compliance etc. fällt leider nicht vom Himmel, sondern muss systematisch erarbeitet werden.

Um das ganz klar zu sagen: selbstverständlich hat vi knallgrau die unternehmerische Freiheit und Kompetenz, das Twoday-Produkt zu terminieren, die Investitionen für eine notwendige Modernisierung abzulehnen und die operative Nutzung der Plattform durch — sagen wir — geriatrische demografische Ereignisse und tragische Todesfälle langsam auszudünnen auslaufen zu lassen.

Professioneller und fairer empfände ich allerdings einen klaren, offenen Umgang mit dieser Business-Entscheidung und eine mutige Kommunikation, die jedem Nutzer Klarheit, Entscheidungssicherheit und hinreichend Zeit für eine geordnete Überleitung auf eine neue Lösung gibt.

Alternativ wäre auch eine klare Aussage der knallgrau GF zur geplanten Lebensdauer von Twoday willkommen. Wenn man weiß, dass die Plattform zumindest die nächsten 5 Jahre existierte, fiele es einfacher, eigene Anstrengungen z.B. in Richtung eines vollständig neuen responsiven Bloglayouts zu unternehmen.

Bis zur einen oder anderen Aussage wird das lange und elende Sterben weitergehen, bis nichts mehr da ist, wofür es sich lohnt, twoday.net in die Browser-URL einzugeben. Oder wie es der Twitter-Präsident formulieren würde: "Twoday. It's a total desaster. So sad!"

Dienstag, 15. November 2016

Wie ich zum Gynäkologen wurde

innereruhe.jpg

Wenn man Möbel über ebay verkauft, die aufgrund Ihrer Größe vom Käufer abgeholt werden müssen, kann man etwas über die Menschen lernen. Und manchmal auch über sich selbst.

Schon beim telefonischen Erstgespräch zur Abstimmung eines geeigneten Abholtermins des erworbenen Möbels war ich etwas irritiert über die mitteilsame Zutraulichkeit von Hajo, der frei von der Leber über seine Frau und innere Beziehungsangelegenheiten plauderte. So erfuhr ich ohne Not und Verlangen, dass sie in getrennten Schlafzimmern nächtigten, weil er nun mal sehr laut schnarche und seine Frau zum Eindösen endlose Hörbuchgeschichten benötige, was ihn wiederum furchtbar nerve. Und dass seine Frau Ü-Eier-Figuren sammele. Und dass die Jugend ja heutzutage kaum noch etwas Gebrauchtes kaufe. Und ob ich nicht noch etwas anderes zu veräußern hätte, wenigstens aber ein paar Ü-Eier-Figuren!? Und dass Sie im Frühjahr umziehen wollen. Und noch vieles vieles mehr.

Nach 40 Minuten geselligen Transfers von Detailinformationen zuckt mein Finger doch zunehmend nervös zur roten Auflegetaste. Ehe Hajo noch neue mitteilenswerte Details einfallen, bedanke ich mich artig für das "angenehme Gespräch" und bestätige noch einmal den vereinbarten Abholtermin.

Als beide am Abholtag schließlich mit über einer Stunde Verspätung hier eintreffen, beginnt die Übergabe nicht weniger jovial und ohne Eile. Hajo, etwa Mitte/Ende 40, sympathisch, aber etwas unbedarft, ungefähr wie jemand, der mit 14 beschlossen hat, nicht mehr erwachsener zu werden, stapft also durch Diele und Wohnraum, dabei seine Ü-Eier-verrückte Frau in einer plüschbunten Daunenjacke hinter sich herziehend, bleibt mal hier, mal dort stehen, und fragt, ob dieses oder jenes zufällig zu verkaufen sei. Lächelnd schüttele ich ca. 30-50 Mal den Kopf.

"Schön haben Sie's hier!", sagt Hajo, und sieht mich eindringlich an. "Sind Sie Arzt? Vielleicht Zahnarzt?", fragt Hajo spitzbübisch und legt seinen Kopf auf die Seite. "Nein", antworte ich Hajo, "ganz bestimmt nicht". Hajo überlegt neu, aber seine Frau kommt ihm zuvor: "Aber Gynäkologe vielleicht? Sie strahlen so eine Ruhe auf mich aus.".

Puh. Ich versuche in Millisekunden, die Kausalkette der Ü-Eier-Dame nachzuvollziehen, aber komme einfach nicht auf den Grund, warum innere Ruhe für einen Gynäkologen spricht und nicht genauso für einen Proktologen, Uhrmacher oder Gerichtsboten. Bevor die Synapsen durchbrennen, erlöse ich die beiden: "Nein, nein, ich helfe Unternehmen bei der Lösung ihrer IT-Probleme.".

Hm, das scheint beide nicht besonders zu befriedigen. Hajos Frau schaut enttäuscht. Womöglich ist sie auf der Suche nach einem neuen Gynäkologen und hätte gerne einen Probetermin vereinbart, wenn es denn schon nicht mit den Ü-Eier-Figuren klappt.

"Kommen Sie, ich helfe Ihnen beim Einladen!", nutze ich die Stille und versuche, wieder elegant auf das ursprüngliche Ziel einzuschwenken. Abends schaue ich prüfend in den Spiegel und versuche zu ergründen, was mich zu einem Gynäkologen macht. Ich komme nicht darauf, aber irgendwie gibt es mir eine innere Ruhe, zu wissen, dass ich den Job auch machen könnte.

Freitag, 8. Juli 2016

Die Rückkehr der Lowther-Boxen (Teil 1)

  • lowther/low01.jpg
    Jede Box hat zwei Treiber: einen Lowther PM2 frontseitig sowie einen PM6c hinten schräg
  • lowther/low02.jpg
    Die Treiber sind ziemlich durch den Wind: bei diesem ist die Sicke fast komplett zerfallen
  • lowther/low03.jpg
    Der älteste Treiber von 1988. Die staubtrockene Sicke zerbröselt bei Berührung
  • lowther/low04.jpg
    Dieser PM6c ist noch in etwas besserem Zustand. Sicke muss aber auch erneuert werden
  • lowther/low05.jpg
    Immerhin sind die Doppelmembrane bei allen Breitbändern noch ganz gut in Schuss
  • lowther/low06.jpg
    Die Boxen sind durch die Innenfaltungen enorm schwer. Gewicht ohne Treiber ca. 30 kg.
  • lowther/low07.jpg
    Die hinteren Treiber sitzen schräg in der Box. Beide Treiber werden getrennt angesteuert
  • lowther/low08.jpg
    Furnier und Granitsprayüberzug von annodazumal sind ziemlich durch

Wahrscheinlich habe ich in letzter Zeit zu viele Hornbach-Reklamen gesehen, denn seit einigen Wochen verspüre ich den Wunsch, nach längerer Zeit mal wieder etwas Handwerkliches zu machen. So ein Zufall, dass zeitgleich auch der kleine Neon eine wunderschöne eigene Wohnung gefunden hat und jetzt dringend ein Paar guter Boxen braucht: seit Jahren (eher Jahrzehnten) stehen nämlich meine zweiten Selbstbauboxen im Keller, im unfreiwilligen Tiefschlaf, weil sie seinerzeit durch — sagen wir — weitgehend subtile weibliche Knebelung Bedrohung Zwangausübung Überzeugungsarbeit wegen ihrer angeblich "überdimensionalen" Größe (pfft, 80x36x46cm HBT ist doch wohl nicht groß!) aus dem Wohnzimmer weichen mussten. Naja, was tut man nicht alles als kompromissbereiter, beziehungsgereifter Mann: man hört Musik auf kleinen Canton-Würfeln, die nicht mal das Volumen einer Rolle Klopapier erreichen!

lowther/academy.jpgUnd herrje, was für ein Unterschied das klanglich ist! Die Boxen sind ein Nachbau der Lowther Auditorium Acousta, sehr ähnlich der späteren Academy mit äußerst kom­plexen Innen­faltungen in irren Winkeln, sogenannte Exponential­hörner, und beher­bergen jeweils zwei Breit­band­lautsprecher der englischen Firma Lowther-Voigt mit einer Frequenz­breite von 30Hz bis 20kHz.

Seit über 70 Jahren stellt Lowther diese Breit­bänder in Hand­arbeit her, die in der Box übrigens ohne Frequenz­weiche auskommen und ein sehr beeindruckendes Hörbild über das gesamte Frequenz­spektrum liefern. Leider haben die Lowther Chassis während des Dorn­röschen­schlafs doch ziemlich gelitten, wobei die Schaum­stoff­sicken ohnehin eine sehr limitierte Lebens­zeit haben.

Natürlich könnte man die Sicken selbst tauschen; auf YouTube gibt es sogar speziell für die Lowther Chassis gute Anleitungsvideos, jedoch ist bei einem der PM2s auch die Schwingspule defekt und das übersteigt definitiv meine Kompetenz. Auch sind die Lowther Speaker immer noch ziemlich teuer und meine Lernkurve bei der erstmaligen (und wahrscheinlich einmaligen) Reparatur nicht steil genug. Das geben wir dann doch besser in kompetentere Hände.

Ich werde mich stattdessen lieber um die Runderneuerung der Lautsprechergehäuse kümmern, die dringend eine neue Außenhaut benötigen. Konkrete Ideen dazu habe ich auch schon — die folgen dann in Teil 2/3.

Apropos Boxengröße: mit der Exponentialhorntechnik lassen sich ziemlich interessante Dinge bauen. Nelson Pass hat hier den Bau eines Hornlautsprechers dokumentiert, den er "Kleinhorn" genannt hat. Hm, der Mann muss auf jeden Fall Single sein, ansonsten wäre das — selbst nach Boxenliebhabermaßstäben — sehr mutig.

lowther/kleinhorn.jpg

Donnerstag, 16. Juni 2016

Vertikale Wälder

Today I Learned...

Bosco Verticale ("Vertikaler Wald") heißen die Zwillingswohntürme im Porta Nuova Viertel von Mailand, zwischen Via Gaetano de Castillia und Via Federico Confalonieri in der Nähe des Porta Garibaldi Bahnhof gelegen. Sie haben eine Höhe von 119 Meter sowie 87 Meter und beherbergen mehr als 900 Bäume.

Dienstag, 9. Februar 2016

Die Vermessung des toten Raums

emptyroom.gif

Quelle: Giphy / TechNoir

Langsam, bedächtig, so geräuschlos wie möglich, steige ich die knarrenden Holztreppen des Hausflurs hinauf zur Wohnung meiner Mutter. Es ist ein altes 2-Parteien-Haus in einer ergrauten Arbeitersiedlung, lange vor dem zweiten Weltkrieg erbaut. Nun, einige Wochen nach ihrem Tod, muss ich das tun, was getan werden muss. Meine Schwester scheut noch immer die Konfrontation mit den verlassenen Gegenständen, die schmerzliche Leere, die Entscheidungen. Aber es lässt sich nicht länger hinausschieben.

Nur wenige wissen, dass man neben Vermögen und Schulden auch Mietverträge erbt. Nicht jeder Vertrag endet mit dem Tod. Wenn man als Erbe nicht kündigt, läuft ein geerbter Mietvertrag auf unbestimmte Zeit weiter, Mietzahlungen sind fällig, obwohl die Einnahmeseite (z.B. Renten) meist sofort versiegt. Ich lese, dass so einige Erben schnell in die Verschuldung gerieten, weil sie diese Verpflichtung nicht im Blick hatten. Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt komfortable 3 Monate — so lange kassiert ein Vermieter die volle Miete und kann sich gemächlich um eine Neuvermietung kümmern. Also verhandele ich mit der Wohnungsbaugesellschaft um das Recht, selbst einen Nachmieter zu suchen. Sie stimmen zu. Das ist gut, jedoch erhöht es auch den Druck, die Wohnung schneller als geplant zu räumen.

Langsam, bedächtig, so respektvoll wie möglich, schreite ich durch die Zimmer, differenziere die Gegenstände, nehme sie in meine Hände, ermittle ihren emotionalen oder faktischen Wert, für meine Schwester, für mich, für Freunde oder gar fremde ebay-Käufer, enträtsele den Inhalt von Schränken und Schubladen, suche dazu nach passenden Erinnerungen und Geschichten in meinem Kopf. In ihrem Nachtschränkchen neben dem Bett finde ich einen Haarzopf und die Hornbrille ihrer nach dem Krieg verstorbenen Mutter in einem fast zerfallenen Briefumschlag. Nie hat sie uns den gezeigt. In einem Glas im Wohnzimmerschrank liegen die Gebisse mit den Goldzähnen meiner Opas, Omas, Uropas. In der Küche hängt die kleine Korkwand mit Zetteln, Zeitungsausschnitten, Bildern aus ihrem Leben: wir als kleine Kinder, Mutter und Vater, die Halbschwester, das Büro, der Garten, die Parties, eine Liste mit Geburtstagen der Freunde. "Schreib dein Leben auf ein Stück Papier, und warte, bis die Zeit vergeht!". Ich muss unwillkürlich an die alte Textzeile des Spliff-Songs denken.

Was also bleibt, wenn du fort bist? Wenn du verbrannt, verstreut, in einer Urne vergraben bist. Eine Korkwand, eine CD-Sammlung von André Rieu, die gesammelte Romanedition von Ken Follett. Was bleibt, wenn die Spuren deines Lebens verteilt, eingelagert, verkauft oder entsorgt wurden? Es bleiben die schönen Erinnerungen, die liebevollen Gedanken, die auf Familienfeiern erzählten Geschichten derer, die überbleiben. Bis auch sie sterben. Dann bist du ganz verschwunden, wie Tränen im Regen.

 I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I’ve watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser Gate. All those moments will be lost in time, like tears in the rain.
Roy Batty

Zwei Wochen später ist die schwere Aufgabe vollbracht. Die Wohnungs- und Kellerräume sind leer. Der Sperrmüll hat die Eichenschrankwand und andere Dinge mitgenommen, die selbst die Caritas als Möbelspende abgelehnt hat. Ich habe ein junges sympathisches Nachmieterpärchen gefunden, die sich sehr über ihre erste Wohnung freuen, da sie (weil von schwarzer Hautfarbe) bislang immer Absagen bekamen.

Langsam, traurig, und gedankenverloren, gehe ich ein letztes Mal durch die leeren Räume. Die Wohnung meiner Mutter war die letzte Bindung an diesen Stadtteil, in dem ich einst groß geworden bin. Es gibt nun keinen Grund mehr, hierher zu kommen. Ein letztes Mal schaue ich durch das rückwärtige Fenster auf den grünen Innenbereich mit den uralten Buchen, auf die ich geklettert bin, als sie noch kleiner waren. Dann ziehe ich die Wohnungstüre zu und werfe meinen letzten Schlüssel in den Briefkasten. Und wieder schließt sich ein Kapitel.

Sonntag, 27. September 2015

Tempus fugit - amor manet

tfam.jpg

Neun Monate hat dir der Knochenmann gelassen. Nun bist auch du gegangen und ich bin zurück auf dem Hochsitz der dunklen Gedanken.

Sonntag, 23. August 2015

Grenzerfahrung

calais1.jpg

Nach den Nachrichten der letzten Wochen und den vielen Flüchtlingsbildern hatte ich eine leise Vorahnung. Aber es ist etwas anderes, es persönlich und ganz nah zu sehen. Schon 4-5 km vor Port de Calais liefen Gruppen von Flüchtlingen eng entlang der Standspur an der stark befahrenen Autobahn A16 in Richtung der Car Ferries.

Ich hatte davon gelesen, dass viele es versuchen, durch den Eurotunnel oder mittels LKW auf den Ferries nach England zu gelangen, aber hatte mir keine Vorstellung gemacht, dass es so viele sind. Ich sah mehrere Hundert, die in einem langen zerpflückten Treck auf der Autobahn gingen, die meisten jung, Mitte 20, manche erschöpft auf der Leitplanke sitzend, müde vom langen Weg, andere weiter energischen Schrittes die erfolgversprechende Route zur Kanalgrenze suchend.

calais2.jpg

Der Verkehrsfluss staute sich, wurde langsam, kam schließlich ganz zum Erliegen. Ich sah, wie Flüchtlinge auf die rechte der zwei Autobahnspuren liefen, gewandt prüfend, ob bei den LKWs die rückwärtigen Türen zu öffnen waren. Viele Fahrer schienen diese bereits vorsorglich verriegelt und verplombt zu haben, bei anderen ließen sie sich problemlos öffnen und wurden, wenn sich Platz und eine Möglichkeit ergab, sofort geentert.

Der Stau löste sich auf und nach wenigen Kilometern änderte sich das Straßenbild: Aberdutzende von weißen Einsatzwagen mit hunderten schwarzuniformierten Polizisten in voller Kampfmontur mit Schild, Schlagstock und Pfefferspray riegelten die letzten 1000m zur Passgrenze ab. Alle LKW wurden streng kontrolliert. Kaum die Chance auf ein Durchkommen.

calais3.jpg

Ich aber fuhr unbehelligt weiter, hielt meinen deutschen Ausweis an der französischen und englischen Passgrenze aus dem Fenster, wurde ohne Nachfrage durchgewunken und war 90 Minuten später in Dover.

Es ist ein seltsames Gefühl, ohne eigenes Zutun auf der besseren, akzeptierten Seite der Grenze ins Leben geworfen worden zu sein, mit dem richtigen Pass, einer erwünschten Nationalität, in einem verlässlichen, durch gesellschaftliche Instanzen gesicherten Rahmen.

Wir sollten mehr Menschen die Möglichkeiten eröffnen, ihre Vorstellungen und Träume von einem besseren Leben in Europa zu realisieren.

Dienstag, 11. August 2015

Tote Hose trainieren

hosen.jpg

Das ist das Schöne an Düsseldorf: Man kann auch schon mal gemeinsam mit Campino im Fitnessstudio trainieren. So wie gestern Abend. Und was ich noch hätte sagen sollen: Das letzte Ring-Konzert in Mendig war wirklich ganz groß! Rock on! Oder, um's mit Bob Marley zu sagen: Light up the darkness!

Mittwoch, 15. Juli 2015

blog.de Plattform wird abgeschaltet

ripblogde.jpg

Wer schon einmal vorausschauend studieren möchte, wie eine überraschend angekündigte Blogplattformschließung wirkt, welche Community-Mechanismen sie in Gang setzt und welche Lösungsmöglichkeiten gesucht, verworfen oder eingeschlagen werden, kann dies jetzt eindrücklich beim Noch-Bloganbieter blog.de nachvollziehen.

Blog.de hat vor wenigen Tagen mittels einfachem Rundmail die vollständige Einstellung der Plattform zum 15.12. angekündigt. Eine Begründung für die durchaus überraschende Abschaltung wurde — obwohl es sicher eine geben wird — bislang nicht kommuniziert.

Wie man sich vorstellen kann, ist die Stimmung bei den Blogbesitzern, die ihre Bloghistorie nun in Eigenregie auf eine neue Plattform bringen müssen, bevor diese endgültig nicht mehr zugreifbar ist, ziemlich am Boden (siehe z.B. [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8]). Zwar gibt es wohl, ähnlich wie bei Twoday, die Möglichkeit der Erstellung einer Exportdatei, allerdings scheinen viele User mit den technischen Anforderungen einer Migration überfordert.

Es ist wohl so, dass Facebook, Twitter und Co. den Business Case, also die generelle Rentabilität einer Blogplattform, zunehmend erodieren, insbesondere, wenn keine Adaption an die hohen Modernitäts- und Weiterentwicklungsansprüche der Benutzer stattfindet. Wordpress hat insofern noch ein akzeptables Standing, als es eine quelloffene, kostenfreie Software ist, für die eine große Entwicklergemeinschaft Plugin-Lösungen für jede nur denkbare Benutzeranforderung erstellt hat oder jederzeit erstellen kann.

Es ist daher eine valide Frage, welche Nische und Lebenserwartung eine proprietäre Blogplattform wie z.B. Twoday noch hat, wissend, dass Weiterentwicklungen eingestellt und Blogneueröffnungen vor nunmehr 15 Monaten abgeschaltet wurden. Angesichts der aktuellen Vorgänge bei blog.de sollte niemand sonderlich überrascht sein, wenn weitere Blogprovider diesem Beispiel über kurz oder lang folgen. Es kann wirklich nicht schaden, sich auf eine solche Situation vorzubereiten (wozu ich nachdrücklich rate).

Weiterführende Quellen:

tl;dr

  • Plattformbetreiber haben oft ein veritables Kommunikationsproblem
  • Blogplattformen können überraschend abgeschaltet werden
  • Vorbereitung ist alles und hilft, Panik zu vermeiden
Außergewöhnliches
Dinge, die gut sind
Entgleisungen
Gemalte Lebenserfahrung
Musik
Nachtgedanken
Neon's Must-Have-Tools
Neon's Top10 List
Neon-Award
Schöner Bloggen
Today I Learned
Wort des Tages
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
Meine bearbeiteten Skins
Hauptseite (Site.page)
Toolbar (Site.foundationToolbar)
Foundation 5 docs
Foundation 5 github
Font Awesome Cheatsheet