Außergewöhnliches

Sonntag, 6. Juli 2008

Junge Lippenbekenntnisse

Lippenbekenntnisse

Vielleicht blitzt diese Erinnerung durch mein Gehirn, weil es heute so heiß war. Es ist schon einige Zeit her, als ein Freund diese Ausbildung bei einem bekannten Düsseldorfer Textil-Familienunternehmen begann. Oft beklagte er damals, es sei eine harte Ausbildung. Er sagte "Wenn du eine Filiale leiten willst, musst du alles im Haus kennen.". Und dass sie einen in alle Abteilungen schickten. Und manchmal auch tiefer unter das Haus, als feine, subtile Strafe, wenn du etwas nicht gut gemacht hast. Tief hinunter in eine andere Welt, dort, wo es nicht mehr sauber und adrett herging und die Verkäuferinnen keine schwarzen, knielangen Röcke mit weißen, gestärkten Blusen mehr trugen. Dorthin, wo du ganz alleine warst, mit der Schaufel, und dem Dreck.

Er rief mich an und fragte, ob ich ihn besuchen wolle. Eine unterdrückte Aufregung flatterte in seiner Stimme, so, als wolle er mich in ein großes Geheimnis einweihen. Ich war 17 und das Vibrato in seiner Stimme macht mich neugierig. Er schien irgendetwas entdeckt zu haben in dieser anderen Welt, das sehr aufregend sein musste.

Er redete kaum, als ich ankam. Wortlos nahm er mich beiseite, führte mich in die Unterwelt, ein paar Treppen hinunter, durch einige Türen hindurch, bis wir schließlich unter dem Eingang der Filiale standen. Wenn man nach oben blickte, sah man Tageslicht und ein riesiges Trittrost über das Unmengen von Käuferbeinen in die Filiale hasteten. Eigentlich hatte er den Auftrag, den angesammelten Dreck unter dem Rost zu entfernen. Unmengen von Zigarettenkippen, Kaugummiresten und Papierchen warteten dort darauf, mit einer Schaufel entsorgt zu werden. Es war heiß hier unten. Kein Ort, wo man sich länger aufhalten mochte.

"Nun schau doch!", flüsterte er, während er nach oben sah, die Zigarettenkippen und seinen eigentlichen Strafauftrag ignorierend. Also blickte ich länger nach oben und erkannte plötzlich, was er meinte. 1, 4, 7, 11, Dutzende von Frauen gingen über das Rost - und sie hatten keinen Slip an. Mein erstaunter Blick traf seine Augen, und er nickte mir bestätigend zu. Niemand wagte, auch nur ein Wort zu sagen. In ungläubiger, stiller Begeisterung führte ich im Kopf eine Strichliste über die wievielte Frau, die im Rock und ohne Höschen in die Textilfiliale eilte, um eines der vielen Sonderangebote zu ergattern.

"Kannst du mir einen Job besorgen in den Sommerferien?", flüstere ich, den Blick nicht eine Sekunde abwendend vom heiligen Gitterrost mit den göttlichen Einblicken. "Ich versuch's", haucht er zurück, während die Lippen von Frau Nummer #41 über den Rost schweben.

Leider hat es nie geklappt mit einem Ferienjob unter dem Filialeintrittsrost. Aber ich habe das nie bedauert, denn ich kenne nun das Geheimnis - ja, ich habe die Wahrheit gesehen. Und weiß seitdem, was Frauen bei höheren Temperaturen als erstes weglassen.

Neon!

Montag, 30. Juni 2008

Von falschen Fahnen und wichtigen Greencards

Wenn dein Auge auf das Bild sieht, ist es versucht, an Fußball zu denken. Oft neigt der Verstand zur einfachen, nahe liegenden Erklärung. Aber das wäre sehr falsch. Diese Fahne weht aus anderen Gründen.

Heute Nachmittag besuchte ich meinen Vater in seinem Schrebergarten. Als kleiner Junge war er für mich der stärkste Vater von allen. Sein Leben lang arbeitete er hart und schwer, und wenn es überhaupt jemanden gibt, der alles gut und richtig gemacht hat in seinem Leben, dann ist er das.

Als vor ein paar Jahren die schweren Operationen begannen, bewunderte ich ihn noch mehr für seine Stärke, die unausweichlichen Leiden zu ertragen, seinen Willen, das Leben auf keinen Fall herzugeben, seinen Optimismus, das alles wieder gut würde. Monate über Monate lag er auf Intensivstationen - und ich versorgte ihn mit Internet-Dossiers über seine Krankheiten bis er mehr wußte als seine Ärzte. Irgendwann, endlich, schien die böse Serie abzureissen.

Wie oft kann man mit dem Tod Poker spielen und gewinnen? Wieviele Lethalprognosen kann man in einer Strecke überleben? Warum bekommt ein Mann, der schon weit mehr aushalten musste, als die meisten anderen Menschen in ihrem ganzen Leben ertragen müssen, nicht eine höchstgöttliche Gesundheitsgreencard? Irgendeine beschissene Wolke, die sich auftut und eine möglichst allmächtige Stimme, die sagt: "Du hast jetzt genug gelitten. Du bist raus aus meinem Schmerzspiel". Aber diese Stimme ertönt niemals. Und das Leben ist nicht gerecht.

Heute, im Garten, traf ich zum ersten Mal einen ängstlichen Mann. Er hat diese Woche erfahren, dass er Lympfknotenkrebs hat. Und er fragt sich, wieviele Spiele er noch gewinnen kann. Und dann sagt er: "Wir müssen nochmal reden, bevor ich wieder ins Krankenhaus gehe". Und sein Blick verliert sich. Das macht mir Angst.

Nach einer Weile sage ich in die Stille: "Lass uns zusammen die spanische Flagge hissen, einfach, um deine Gartennachbarn zu ärgern, bevor das Finalspiel beginnt". Und er lacht mich an. Spitzbübisch. Und für einen Moment bleibt die Zeit stehen. Genug Sekunden für ein Foto von einer spanischen Flagge, die mutig im Wind weht.

Neon!

Montag, 2. Juni 2008

Neon süß-sauer

Epochales Huhn süß-sauer

Angeregt durch Frau Caliente's kürzliche Wok-Erwähnung und in Erinnerung des schon Jahre laufenden Selbstversuchs, endlich Hühnchen süß-sauer im eigenen Wok geschmacklich so hinzukriegen wie man es auch in einem guten chinesischen Restaurant erwarten dürfte, habe ich am Wochenende unter Aufbietung enormer künstlerisch-kreativer Kräfte, feinster Zutaten, handwerklicher Spitzenleistungen sowie eines mittleren Küchentsunamis einen weiteren, diesmal äußerst erfolgreichen Wokversuch unternommen und für die Nachwelt dokumentiert.

Ungeachtet der Tatsache, dass Männer sich heutzutage nicht scheuen sollten, auch öffentlich selbst Hand anzulegen den Holzlöffel in den Wok zu halten, trägt dieses phänomenal mundende Ergebnis unzweifelhaft zu einer weiteren deutlichen Steigerung des männlichen Marktwertes bei, zumal des brillianten Kochens mächtige Männer angesichts der gleichzeitig stark erodierenden Kenntnisstände in der Gruppe fertiggerichtzufriedener Frauen auf ebensolche extrem starke Anziehungskräfte bis hin zu kulinarischer Hörigkeit auslösen.

Dies wissend und nichts Geringeres erwartend, habe ich die einzelnen Prozessschritte zur Anfertigung des bis dato unerreichten, Geschmacksexplosionen induzierenden Jahrhundertgerichts niedergeschrieben und reich bebildert, so dass auch Grobmotoriker der in BoFrost und Eismann lebenden Parallelwelten in die Lage versetzt werden, durch schrittweises Nachkochen in diesen außergewöhnlichen, Dopamin-Sonderausschüttungen generierenden Genuß zu kommen.

Das einmalige, epochale Kunstwerk kann hier als gezipptes PDF herunter geladen werden.

Neon!

Mittwoch, 28. Mai 2008

Baba Yaga und die Lawn Dogs

Lawn Dogs

Lawn Dogs, so nennt man die armen Hunde, die ihr Geld damit verdienen, die ausgedehnten Rasenflächen in den künstlichen amerikanischen Vorstädten zu mähen. Lawn Dogs (dt. Filmtitel "Heimliche Freunde") heißt auch dieses wunderbare Stück Film über 2 Außenseiter, die aus verschiedenen Welten kommen und sich doch so vertraut werden.

Lawn Dogs

Die 10-jährige Mischa Barton spielt Devon, die jede Chance nutzt, vor ihren angepassten, gesellschaftlich ambitionierten Eltern zu flüchten um sich in ihre schaurig-schönen, erfundenen Geschichten von Baba Yaga, der bösartigen und mordenden Waldhexe, zu flüchten.

Wenn sie nicht gerade ihrer Puppe Beine und Arme ausreißt, weil diese beim Brettspiel Dame verloren hat, oder fette Fliegen in Cookies drückt, die sie dann an die Nachbarn verkauft, pinkelt sie in stiller Sabotage über die Vorderscheibe des väterlichen Pickups oder steckt einem kleinen Quälgeist mit Plastikcolt den eigenen Lauf in den Mund.

Lawn Dogs

Trent, gespielt von Sam Rockwell, ist der Lawn Dog, er mäht den Rasen innerhalb der öden Mauern der staubfreien Neubauwelt "Camelot Gardens", einer spießbürgerlichen, stickigen Vorstadtsiedlung mit einem stereotypen Mikrokosmos aus Intoleranz, infamen Verdächtigungen, Heuchelei und Vorurteilen. White trash der besonderen Art.

Lawn Dogs

Als Devon auf den außerhalb der Mauern in einem herunter gekommenen Wohnwagen lebenden Trent trifft, wehrt der sich erst gegen die Freundschaft mit dem Mädchen aus dieser Oberschicht, die ihn so verachtet. Doch beide merken schnell, dass sie gleiche Außenseiter sind, jeder auf seiner Seite der Gesellschaft, und nicht nur wegen der gemeinsamen großen Narben am Körper oder dem Spaß am Wettrülpsen nach dem Verzehr des geklauten und sofort gekillten gegrillten Truthahns.

"People say you're trash", sagt Devon zu Trent, "Trash is something you put a lid on cause it stinks. You don't smell that bad". Und Trent erklärt später: "The way I see it is: You got people who own lawns and you got people who mow them. And they're never the same people!".

Lawn Dogs

Eine ordentliche Portion Sozialkritik mischt sich in diese seltsame, wunderbare Mixtur aus Fantasy, Vorstadt-Milieustudie und romantischem Märchen. Und am Ende retten Trent ein Revolver und Baba Yaga's Zauberkamm vor dem Blutrausch hyperventilierender Spießbürger, während Devon alleine in dem Baum mit den Hundert roten Schleifen sitzt und uns mit Gedanken an unsere eigenen Vorurteile zurücklässt.

Lawn Dogs ist ein märchenhaftes Film-Kleinod und klarer Kandidat für die ewige Neon-Hall-of-Fame-DivX-Sammlung. Und ein wenig bin ich jetzt auch in Mischa Barton (übrigens auch das tote Mädchen im Film Sixth Sense) verknallt. Muss mal recherchieren, wie alt Mrs. Barton heute ist...

Neon!

Mischa Barton in Sixth Sense

Mittwoch, 30. April 2008

Killerrabenanschlag

Inline Skates

Samstagmittag. Ich strecke vorsichtig die Nase aus dem Fenster. Die Sonne scheint zärtlich warm in mein Gesicht, sie flüstert mir zu "Komm, komm zu mir heraus, lass uns ein wenig spielen und herumtollen, komm mit mir und ich schenke dir unglaubliche Frühlingsgerüche, ja die, die du so lange vermisst hast". So haucht sie mir zu und umweht sanft meinen Nacken.

Ich stürze zur Treppe, haste die Stufen hinunter, durchwühle den Keller nach dem, was mich noch länger und vor allem schneller macht. Und schon schieße ich durch die Felder am Rhein, alles riecht so neu. Geschäftig surrt und scharrt es auf jedem Meter. Von weitem sehe ich die flimmernden Umrisse des Fernsehturms auf der anderen Flußseite. Dann wird es auf einmal dunkel. Eine Wolke von Raben kreist lautkrächzend über meinem Kopf. Ich stoppe die Inliner.

Inline Skates

Die Raben machen Geräusche wie "Kraaah", "Quorrr" und "Kroaak" und verfolgen aufmerksam jede meiner Bewegungen. Ich vermute gleich, dass Frau Araxe sie geschickt hat, um mich für all meine frechen Kommentare zu bestrafen. Ein paar von ihnen landen in 20m Entfernung, mitten auf dem Weg, vor mir und hinter mir. Die auf dem Weg machen auch "Kraaah" und "Krok" und sowas wie "Jetzt haben wir dich, du schräger Blogvogel". Ich überlege, wie ich der tödlichen Gefahr am besten entkomme.

"Gib uns Schokolade oder du bist fällig", rufen die Raben herüber, natürlich nicht ohne ein nachdrückliches "Kraaah" oder "Quorrr" nachzuschieben. Jetzt ist klar, dass die Killerraben von Frau Araxe kommen: Vögel lernen durch Nachahmung. Entschlossen greife ich in meiner Tasche eine Handvoll Hunde-Leckerli, gehe in die Hocke und kläre meinen Hund über die Strategie auf: "Es wird verdammt hart werden, aber wir müssen da jetzt durch. Bleib eng bei mir und schau nicht zurück. Zusammen werden wir es schaffen, vielleicht schwer verletzt, aber wir werden überleben, irgendwie". Der Hund schaut entgeistert. Damit hatte er an einem Samstagnachmittag wohl nicht gerechnet.

Mit einem großen Schwung schleudere ich die Hunde-Leckerli ins nahe Feld, werfe meinem Hund einen "Los jetzt! Und viel Glück!"-Blick zu und starte durch. Die meisten der blut- und schokoladegierigen Raben stürzen sich ins Feld, da wo sie ihre Beute vermuten. Mit gefühlten 60km/h durchbrechen wir den Rest der Rabenblockade - Federn fliegen durch die Luft. Nach 200m halten wir an. Nichts mehr zu hören von den schwarzen Killerteufeln. Bestimmt sitzen sie im Feld und krächzen "Kraaah" und "Quorrr" und sowas wie "Mistbetrüger, das ist ja gar keine Schokolade".

"Gut gemacht! Sieg auf der ganzen Linie!", sage ich dem Hund und klopfe ihm anerkennend auf die Schulter. Er schaut immer noch entgeistert. Klar, wenn man so knapp dem sicheren Tod entronnen ist.

Neon!

Sonntag, 20. April 2008

Notfallheimzahnarztsonde

Sonde

Manchmal bekommt man Möglichkeiten im Leben gezeigt, die man lieber nicht kennengelernt hätte. So zum Beispiel die Möglichkeit, sich am Wochenende mit einer geliehenen Sonde im Notfall den eigenen provisorisch gefüllten Zahn zu öffnen, um so den klopfenden Druck zu entlasten. Aber der Reihe nach...

Donnerstag. Das Pochen des am Dienstag frisch wurzelverfüllten Eckzahnes hat nicht abgenommen. In Anbetracht des nahenden Wochenendes besuche ich meine Zahnärztin und berichte ihr davon. "Da haben wir wohl zu früh gefüllt", sagt sie, als wenn ich dabei auch nur irgendeine Form der Mitbestimmung gehabt hätte. Dabei sind Zahnärzte doch absolutistische Autokratien in Reinform - und wahrscheinlich ist das auch gut so. Dies wissend macht sie sich also daran, die bombenfeste Füllung wieder aufzubohren, den Wurzelkanal mit allerlei Feilgerät zu reinigen und unter Einbettung einer beruhigenden Medizin provisorisch zu verschließen.

"Was mache ich, wenn er sich am Wochenende wieder meldet?", frage ich und sehe ihr erwartungsvoll in die Augen, damit sie mir für den Notfall ihre private Handynummer anvertraut. "Ich gebe Ihnen mal eine Sonde mit. Damit können Sie selbst den Zahn öffnen, und der Druck kann dann entweichen.". Voller Verständnis schaut sie in meine immer noch erwartungsvollen Augen, die wohl gerade beginnen, einen Anflug von Panik widerzuspiegeln und nicht glauben wollen, dass dies alles gewesen sei. Meine Zahnärztin erbarmt sich: "Und wenn Sie es nicht selbst können, rufen Sie mich einfach auf meiner Handynummer an.". Erleichert sinke ich im Behandlungstuhl zusammen - die Sonde aus schwerem HenrySchein stainless steel liegt kühl und schwer in meiner Hand.

Sonntag. Manchmal meldet er sich. Nur ganz kurz und kaum spürbar. Dann zeige ich ihm im Spiegel das zahnärztliche Kratzgerät und prompt ist wieder Ruhe. Ich sage "Noch ein Mucks und ich mach dir ein Loch damit!" zu meinem Eckzahn und schon ist Schweigen. Er weiß, ich werde Ernst machen. Er spürt, dass er keine Chance hat weil ich ihn dann gnadenlos an meine Zahnärztin ausliefern werde, die ihn dann mit einer Wurzelspitzenresektion (WSR) endgültig ins Nirvana schicken wird. Es scheint zu wirken. Mein Zahn hat jetzt Respekt vor mir. Oder vor der WSR. Auf jeden Fall weiß er, wann man verloren hat.

Neon!

Mittwoch, 9. April 2008

10.000 Karmapunkte

Ich glaube, heute habe ich mir eine fette 10.000 Karmapunkte-Gutschrift verdient. Ich habe mich nämlich trotz durchaus pressierender ToDo-Liste zusätzlich vorbildlich sozialpositiv engagiert und
  • Frau Araxe zu ihrem Lebensglück und einer baldigen Hochzeit verholfen,
  • Frau Caliente hilfreiche Tipps zur Reinigung der wenigen ihr verbliebenen Wäschestücke gegeben,
  • Frau Monsterkeks' Zungenkussorgien abwägend aber doch unterstützend kommentiert.
Ja, ich darf sagen, ich fühle mich gut, ausgeglichen und von einer sehr positiven Grundstimmung beseelt. Ein wirklich befriedigendes Gefühl, wenn man soviel Gutes tun kann! Kann ich nur jedem empfehlen!

Neon!

Donnerstag, 20. März 2008

Kauf Dir ein neues Leben!

ALife4Sale

Blog-Frustrationen, Missmutigkeiten, Auszeiten und Sprachlosigkeiten vagabundieren dieser Tage durch Twoday. Mühsam leiern sich meine abonnierten Lieb-Links in mutwillig-irregulären Abständen Gedanken- und Erfahrungsschnipsel aus dem Hirn.

Auch ich denke angestrengt darüber nach, wie ich aus einer frisch erkannten Zahnwurzelresorption im Dens caninus dexter inferior mediales Kapital schlagen und meinen Abonnenten frischen Wind und neuen Blog-Mut einblasen kann. Aber ich habe eingesehen, dass Zahnwurzelresorptionen generell ein undankbares Thema sind, wenn man nicht gerade im Flirt-Chat für ungebundene Zahnärztinnen eingeloggt ist.

Daher also ein anderer Tipp, wie man wieder zu einem aufregenden Leben, zu einem spannenden Job und neuen Freunden kommt - und so die Grundlage für viele neue Blog-Beiträge akquiriert. Ich rede hier nicht von irgendeinem Leben, sondern dem von Ian Usher in Perth (Western Australia). Ab Sonntag, dem 22.06.08 kann jedermann eine Woche auf sein Leben bieten und - als Meistbietende/r - es schließlich komplett übernehmen. Lifestyle, Haus samt Einrichtung, Auto, Motorrad, Jetski, Fahrrad, Freunde und sogar sein Job als Teppichverkaufsassistent bei Jenny Jones Rugs.

Kein Zweifel, dies ist ein wirklich sehr sehr umfassendes Angebot und Ian versichert glaubhaft, dass er nichts für sich behalten wird. Denn er plant, sich nach Ende der Auktion nur mit seinem Reisepass bewaffnet zum Flughafen zu begeben, sich in das nächste Flugzeug mit einem freien Platz zu setzen, um dann irgendwo ganz neu anzufangen.

Details zur Auktion auf www.alife4sale.com inkl. ausreichend Zeit, um bis zum Start der Versteigerung preisliche Überlegungen anzustellen.

Neon!

Samstag, 8. März 2008

Einrichtungsstalking bei sole bitch?

So leb' ich

Kennt jemand das? Diese Stimmung, wenn man am frühen Abend durch die Straßen geht, dann, wenn die Vorhänge noch nicht zugezogen und die Jalousien noch nicht herunter gelassen wurden, aber das Licht innen bereits brennt, welches die Räume erleuchtet und einen flüchtigen Blick auf den Lebensentwurf der dort Wohnenden erlaubt, auf ihren Geschmack, ihren Stil, eben das, was sie selbst und das, was sie lieben, ausmacht.

Ich habe mich schon gefragt, ob ich dem Voyeurismus verfallen sei. Aber das ist es nicht. Ich finde es spannend, zu sehen, wie andere ihren Lebensraum eingerichtet haben, welche Ideen sie dabei hatten, welche Gegenstände und Stilwelten sie kombinierten, wie sie ihrer Kreativität Ausdruck verliehen und welche potenziellen Rückschlüsse die Kette von Interieurentscheidungen auf die dort Lebenden erlaubt.

Jeden Tag könnte ich mir stundenlang andere Wohnungen und Häuser ansehen, wenn das ginge. Manchmal würde ich vor einem Haus gerne länger stehen bleiben wollen, mich wagen, mir meine Nase an den Fensterscheiben platt zu drücken, um all die vielen Eindrücke in mich aufzusaugen, aber das wäre keine gute Idee. Bestimmt würde mich bald die Polizei aufgreifen und mich als Einrichtungsstalker verurteilen. Privatheit verdient angemessenen Schutz vor individuellem Interesse.

Gottseidank aber gibt es Web 2.0. Und Leute, die einen Blick in ihr Wohnzimmer sehr willkommen heißen. Menschen, die statt eines gerahmten Bildes einen Staubsauger zerlegen und an die Wand schrauben. Menschen, die Bilder von ihrem rosa Badezimmer hochladen und sich trotzdem über jeden Kommentar freuen. Das finde ich toll. Auch, weil ich dafür wahrscheinlich nicht ins Gefängnis muss.

Wer sich, wie ich, auch gerne straffrei andere Einrichtungsideen ansieht: Guckst du mynesto.de, solebich.de und zimmerschau.de.

Neon!

P.S. Frage an Frau Faust: Warum hat mein Gehirn www.solebich.de zuerst als "sole bitch" dekodiert und nicht als "so leb' ich"?

Freitag, 29. Februar 2008

Der Tag, an dem ich Soljanka aß

Deadly Soljanka

Das Wort "Plazenta-Pizza-Rezept" erinnerte mich heute an eines der herausfordernsten Gerichte, welches ich meinen Körper gezwungen habe, zu konsumieren. Und an einen guten Freund.

Da waren wir also, kurz nach der Wiedervereinigung, in Berlin-Adlershof und halfen dem DFF, ein neues IT-System einzuführen, welches er dringend benötigte, um neues, westliches Regelwerk abzubilden. Dekadent übernachteten wir mitten auf dem Kudamm in einem netten kleinen Familienhotel, fuhren morgens in einem tiefer gelegten, schnellen BMW meines Hamburger Kollegen ostwärts, eingekreist von Millionen braun qualmender Trabbis, auf Straßen mit unzähligen Schlaglöchern, dazu laut Massive Attack's "Unfinished Sympathy" hörend. Oder The Farm's "All together now". Wie passend.

Das war die Zeit, als Elf99 noch existierte, aber der schwarze Kanal schon abgeschaltet war. Das Projektteam saß in diesem Büro eines ehemaligen Stasi-Oberen, eben jenes, wo noch der riesige schwere Tresor Platz nahm, dessen Tür nun offenstand und jetzt Wichtigeres als belastende Dossiers enthielt - unsere Lufthansa Joghurtvorräte vom Montag-Hinflug.

Lustige Dinge, die man dort schnell lernte:
- Die Raumtemperatur wird mangels Heizungsknopf durch das Öffnen und Schließen der Fenster reguliert, d.h. spätestens ab November ist es entweder scheisskalt oder scheisswarm im Raum
- Es braucht 4 DFF-Mitarbeiter, um eine Glühbirne im Projektraum zu wechseln
- Zum Dank für geschaffte Termine gibt es immer eine lange Rede und eine warme Flasche Rotkäppchen für jeden im Team.

So weit, so gut. Dann aber kam die Kantine. Und der Tag, an dem ich einen verbeulten und sicherlich geschichtsträchtigen Löffel meines höchst biegsamen DDR-Aluminium-Weichbestecks interessiert auf Entdeckungstour durch das DFF-Tagesgericht entsandte: Soljanka-Suppe. Es war Freitag. Und das Spiel begann.

Sind das nicht die Fleischklöße vom Montag? Nein, das ist der Gemüsetopf von Dienstag! Quatsch, ich schmecke den Fisch von Mittwoch! Schwimmt da ein Pommes oder ist das der Kartoffelauflauf von gestern?

"Ich habe HO-Plastiktüte", sage ich, und fische ein Stück derselben aus meiner russischen Mischsuppe. Alle feuern ihre Weichlöffel erschreckt zurück in die Soljanka. "Alternative Lösung?", fragt Marco kurz und bündig. "Tresorschrankjoghurts", sage ich. Wir grinsen uns an und gehen. Das war das letzte Mal, dass ich Soljanka aß.

Marco sah ich das letzte Mal zum erfolgreichen Projektabschluß. Wir konsumierten Wagenladungen von Rotkäppchen und freuten uns erschöpft über unseren Erfolg. Kurze Zeit danach ging er nach San Francisco und starb später an AIDS. Wenn ich an Soljanka denke, denke ich an ihn. Und umgekehrt. Und erst viel später begriff ich Idiot, warum er sich in den Berliner Discos nie wirklich für Frauen interessiert hatte.

Neon!

In a neon wilderness

he was restless

Neon's Entrée

Kennen wir uns schon?

Neon's Lieb-Reiz

"The difference between an ordeal and an adventure is attitude."

(Unknown)

Nein zum Gruppenzwang! ;)

neonwilderness[AT]ymail[DOT]com

Neon's Abgründe

*rofl* Ja, bestimmt hätte...
*rofl* Ja, bestimmt hätte ich Sie den ganzen Abend...
NeonWilderness - 12. Aug, 19:35
Ach, was hätten...
Ach, was hätten wir für eine schöne...
caliente_in_berlin - 12. Aug, 19:16
Ich dachte, Ihnen ist...
Ich dachte, Ihnen ist grad ganz heiß? Oder wenigstens...
NeonWilderness - 12. Aug, 19:12
Kscht! Keinen Wind machen,...
Kscht! Keinen Wind machen, ist kühl hier.
caliente_in_berlin - 12. Aug, 18:46
Zieht immer! *s Jetzt...
Zieht immer! *s Jetzt bloß nicht ohnmächtig...
NeonWilderness - 12. Aug, 18:44
*schmilzt dahin*
*schmilzt dahin*
caliente_in_berlin - 12. Aug, 18:09
*ggg Ich wünschte,...
*ggg Ich wünschte, ich könnte Ihnen Ihre...
NeonWilderness - 12. Aug, 16:42
Da mein offensives Flirten...
Da mein offensives Flirten gern als kurzer schüchterner...
caliente_in_berlin - 12. Aug, 15:58

Status

Online seit 667 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 12. Aug, 19:35

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