Bloglust vs. Twoday-Existenz

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Die menschliche Psyche ist kurios: die Klarheit und fixe Terminierung der notwendigen Veränderung, wenn man sich ihr z.B. durch Anlage eines neuen Blogs erfolgreich gestellt hat, ist willkommener als die Unbestimmtheit, die den alten Ist-Zustand überraschend für ungewisse Zeit bewahrt.

Zwei Blogplätze sind weniger wert als einer, weil keiner der Orte die volle Aufmerksamkeit bekommt, die ihm zusteht, weder vom Inhaber, noch von den Besuchern. Hält dieser Zustand über einen längeren Zeitraum an, erodiert der Sinn und Zweck des Bloggens — die Bloglust stirbt.

Um dem zu entkommen, bleibt wohl nur die harte Entscheidung, das Alte selbst gehen zu lassen, es abzuschließen und sich ganz dem Neuen zu widmen. Und also das Vakuum der Klarheit durch eigene Unzweideutigkeit und Entschiedenheit auszufüllen.

Nun ja, (abgesehen davon dass sich Ihre Bloglust zusehens steigert – wobei die fehlende neue Örtlichkeit Iherseits sicher nicht ganz unentscheidend ist, aber es Sie wohl eher reizt, hier noch mal alle(s) rauszuholen), könnte oder auch kann man das ja auch so angehen, ohne gleich die Flucht zu ergreifen, dass man a) hier bleibt und alles fleissig in kurzen Abständen exportiert (man weiß ja nie) oder b) hier nur noch das bloggt, was mit twoday.net zu tun hat (und das gleichfalls fleißig esportiert). Ich habe mich zwischen beiden Varianten noch nicht so recht entschieden. Bin aber nicht bei Ihrer vorgeschlagenen Entscheidung, hier nun die Schotten vollkommen dicht zu machen, auch wenn ich das kurz erwogen hatte. Und das trotz dessen, dass ich eher der Typ für klare Verhältnisse bin.
Grob gesagt, gibt es 2 Gruppen von Menschen auf dieser Welt: die eine trifft eigene Entscheidungen und setzt diese konsequent um, die andere adaptiert sich an Entscheidungen anderer und macht für sich das beste daraus. Ich gehöre nicht zur zweiten Gruppe, zumindest für Fragen, die in meiner Entscheidungskompetenz stehen. Sobald mein neuer Blog steht, werde ich diesen hier vollständig schließen oder als Kapsel für den neuen Blog nutzen — egal, ob Twoday dann noch 2 Tage, 4 Wochen oder 8 Monate existiert.
Kompliment!
Absolut treffend, wie Du den augenblicklichen Zustand beschreibst.
Klingt vielleicht schräg, aber irgendwie bin ich an meine Patientenverfügung erinnert, in der ich lebensverlängernde Massnahmen ablehne, wenn sich keine lebenswerte Perspektive mehr zeigen sollte.
Selbst, wenn es eine Wiedergeburt bei Twoday gäbe, glaube ich nicht, noch einmal mit der gleichen Energie meinen alten Blog weiterzubetreiben.
Den Stecker hier aber selbst zu ziehen (ohne Groll), wäre in der Tat konsequent und hilfreich dafür, wie Du beschreibst, sich auf das Neue zu konzentrieren.
Lieben Gruß!

edit:
Der Gedanke ans eigene Abschalten kommt mir auch hin und weder.
Aber die Neugier, wie sich der Sterbeprozess hier abspielt, überwiegt...
;-)
Danke, Lo! Ich wusste, dass du das mit deinen verschiedenen Blogs (und den zwangsläufig damit zusammenhängenden Doppelarbeiten) sehr gut nachvollziehen können würdest. Ich denke, die sich auflösende Solidarität mit Twoday hängt auch mit dem Disrespekt für die Nutzer zusammen, die Twoday all die Jahre zuvor gezeigt hat und die jetzt in einer doppelten Enttäuschung, nämlich Ankündigung und Rücktritt von der Abschaltentscheidung, gipfelte. Das ist so, wie wenn man jahrelang Tritte gegen's Schienbein bekommt und zum Schluss nochmal links und rechts 'ne Backpfeife. Irgendwann reicht's dann auch mal.

P.S. Patientenverfügung, schwieriges Thema. Habe selbst auch noch keine (was dumm ist), aber mich schon familiär damit beschäftigen müssen. Das Komplexe daran ist, alle möglichen Fälle und Entwicklungen theoretisch durchzudeklinieren, ohne dass man etwas Wichtiges vergisst. Wenn man dement im Endstadium auf einer Pflegestation ist, fällt es dann unter "lebensverlängernde Maßnahme", wenn man wegen einer Thrombose ins Krankenhaus soll? Und sollte der/die Bevollmächtigte das dann ablehnen? Schwierig. Das ganze Thema.
Disrepekt. Das ist es.
Ich hatte in den letzten Jahren immer mehr das Gefühl, mich auf einem dahindümpelnden Geisterschiff zu befinden, dessen Mannschaft sich irgendwann einmal bei Nacht und Nebel nach dem Zerstören der Funkgeräte und der Steuereinheit von Bord geschlichen haben muss, und das von einigen beherzten, fachkundigen Passagieren hilfsweise auf Schlingerkurs gehalten wurde.
Rufe, wie Twoday! oder Mayday! verhallten ungehört.

Das Verhalten, oder besser ausgedrückt: das Nichtverhalten der Verantwortlichen von Twoday erinnert mich an den Titel eines Buches, das ich vor vielen Jahren als selbständiger Dienstleister gern las und jungen Kollegen weiterempfahl:
"Das einzige was stört, ist der Kunde" von Edgar K. Geffroy
Missachtung von Kunden kann sich kein Unternehmen leisten.
Aber: warum machen wir uns hier eigentlich noch Gedanken?
Lieben Gruß!
Lieber Neon,
diese Diskussion war mir sehr hilfreich: ich habe mich nun entschlossen, das SPIEGELei dichtzumachen, weil ich bestimmen möchte, wann bei mir der Eierbräter ausgeht.
Einen kleinen Nebeneingang habe ich ja noch, um zu spinxen ;-)
Und: wir halten den Kontakt.
Ganz liebe Grüße!
Lo
Ich finde das eine mutige und nach vorn schauende Entscheidung, Lo. Und wenn diesmal der Abschalttermin stimmt, bist du nur 19 Tage früher dran. Vorher will ich auch schon meine neue neon-wilderness aufgebaut haben — bis dahin bitte nicht nur spinxen, sondern hier auch noch kommentieren. ;)

Bevor du deinen Blog deaktivieren lässt: wäre das hier was für dich, eine Methode, wie man den Wordpress-Blog hier bei Twoday einbindet und so eine Einbahnstraße nach kohlenspott.de schafft?
[Edit: Wie so etwas fertig aussieht, kann man bei Herrn Kulturflaneur sehen, der das schon seit Jahren einsetzt, um seinen Wordpress-Blog hier unter seiner Twoday-Adresse anzuzeigen.]
Danke für den Tipp: wir mailen....
Ich habe miterlebt, wie mein Blog bei myblog.de ca. 2012 einfach so verschwunden ist. Und daraufhin ungefähr vier Sicherheitsblogs angelegt (bei blogger.de, bei antville und... auch hier). Das hatte damals allerdings keinen Einfluss auf die Frequenz meiner Beiträge. Heute ist Bloggen im Vergleich zu "social-media-Auswürfen" einfach zu lahm und zu textlastig ;-) Bloß... wenn einem was weggenommen wird...
Schöne Grüße!

Waren das 4 inhaltlich verschiedene Blogs? Obwohl "Sicherheitsblogs" eher für identische Inhalte spricht. Und wie haben Sie die synchronisiert? Alles manuell? Und die Kommentare in den Blogs zu gleichen Beiträgen? Klingt alles sehr aufwendig und durcheinander für mich.

Ich persönlich finde z.B. social media unendlich lahm und oft sterbenslangweilig. Zu viel Pop und Mainstream, dieses gegenseitige Aufdieschulterklopfen und gefallsüchtige Retweeten sowie eine fast schon impertinente Jagd nach der täglichen Witzigkeitskrone. Not my world, aber wer's braucht... ;)

Ja, stimmt schon. Ich merke, dass ich seit ein paar Jahren anders getaktet bin, eben schneller und oberflächlicher...
Das mit den Sicherheitsblogs war manuell und ...eigentlich war twoday dann die offizielle Sicherheitskopie zwei Jahre lang, ohne Kommentare. Dann habe ich meinen (damals noch zahlreichen) Lesern gesagt, wohin sie ab sofort klicken sollen. Die Kommentare bei myblog sind perdu, theoretisch... (flüster) ich hab das Passwort vergessen.
Schöne Grüße!
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